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Tickt ihr noch ganz richtig mit eurem #momlife?

Warum immer mehr Mütter ihr Leben zur Schau stellen.

Wenn man bei Instagram den Hashtag #momlife eingibt, poppen über fünf Millionen quadratischer Bilder auf. Zu sehen: Baby mit Katze, Baby in Badewanne, Baby auf Papas Arm, Mamas Füße neben einem Latte Macchiato, Mamas Hände umfassen einen grünen Smoothie, kleine Hände greifen nach einem Stück Naked Cake. Wenn man sich das so ansieht, könnte man meinen das Leben als Mutter sei eine rosa Wolke aus Zuckerwatte. Süß, fluffig und ohne viel Inhalt.

Was früher ein Ratgeberbuch war, ist heute der Insta-Feed. Auch wenn meine Mama jetzt mit den Augen rollt (“Kind, leg doch einmal das Telefon aus der Hand!”) und bedruckte Buchseiten sicher besser für Augen und Kopf sind, als das blau schimmernde Display, geht der erste Griff, wenn das Kind im Bett ist, doch meist zum mobilen Telefon. Und welche App hier als erstes geöffnet wird, ist wohl klar …

“Ich raffe es einfach nicht, was diese Muttis damit erreichen wollen, ihre Brut aus allen Winkeln zu fotografieren”, lamentiert meine Freundin bei einem Glas kaltem Weißwein. “Die armen Kinder, die können sich doch gar nicht wehren!” “Naja, sie sind halt stolz und wollen die Außenwelt daran teilhaben lassen”, lautet meine zugegeben etwas zögerliche Antwort. Was meine Freundin wohl vergessen hat: Ich bin auch eine #instamom.

No-Face-Policy

Mein Mann und ich haben uns vor der Geburt darüber unterhalten. Beim letzten Urlaubstrip vor der Geburt (aka. #babymoon) nach Prag diskutierten wir, ob unser Sohn auf Instagram landen würde und wenn ja mit oder ohne Gesicht. Wir einigten uns darauf, dass wir unser Bauchgefühl entscheiden lassen würden.

Während der Schwangerschaft habe ich Instagram immer weniger als Foto-App genutzt und mehr als Plattform, auf der ich anderen Müttern folgen konnte, die beispielsweise “gleichschwanger” waren (#ssw34 und Co.) oder Hebammen, die super Tipps posten oder Travel-Familien, die beweisen, was mit Kind alles möglich ist – Mütterzeugs eben, für das ich mich auf einmal interessierte und über das ich sonst nirgendwo eine Informationsquelle fand, die sich so vieler unterschiedlicher Blickwinkel bedient.

Blind Date extrem

Es gibt Mütter auf Instagram, die einen ganzen Freundeskreis via App gefunden haben. Sie steigen in den ICE und reisen (mit Baby!) quer durchs Land, um am anderen Ende eine Frau und ihre Familie zu treffen, die sie nie zuvor gesehen haben. Für mich klingt das wie Blind Date extrem. Doch es scheint zu funktionieren. Auf Kinderwagenselfies strahlen die Mamas über beide Ohren – statt digital werden jetzt reale Herzchen verteilt.

Ich und mein #momlife sind da eher anonym, kommentieren nicht so viel und geben eher wenig von unserem Familienleben preis. Auch das ist einfach eine Bauchentscheidung. Andererseits lese ich mir aber die detaillierten, teilweise extrem langen #lebenmitkind-Exzerpte mit Vorliebe durch. Diese Blicke durchs Online-Schlüsselloch geben Aufschluss über die unaufgeräumten Ecken in Wohnungen und Leben von Insta-Moms, über schlaflose Nächte und typische Mama-Fragen (Die besten Tipps gegen Husten? Die besten Lauflernschuhe? Das beste Frühstück für Kleinkinder?).

Sach ma, hackts? Oder nicht?

“Leben und leben lassen blablabla” – ach nee! Diese Binsenweisheit klingt wie ein schlecht tätowiertes Unterarmtattoo in Schnörkelschrift. Doch was auch als Wandsticker überm Fliesentisch hängen könnte, ist ach so wahr! Lasst sie doch und mach du doch. Ob mit Babygesicht oder ohne, mit zugehörigem Blog, Selfies, Kochtipps, Jammer-Romanen … Viele Mütter verbringen viel Zeit mit ihrem Handy, lassen sich hier aus, holen sich Inspirationen und erfreuen sich an dem Austausch mit Müttern, die ähnliche Interessen pflegen. Wen das nervt, den rettet der „Unfollow“-Button.

Klar ist: Ein langes Gespräch zu zweit, handylose Minuten nur mit sich selbst (z.B. in der Wanne) oder eben doch mal wieder ein Abend mit Schmöker-Schinken sollten immer Vorrang haben, wenn es das Hirn nach einem Tag Dutzi-Dutzi und Bababa noch erlaubt. Am Ende des Tages schmeichelt das dem Geist nämlich viel mehr als Likes und Follower.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Merle
    23. Juli 2017 at 19:34

    Hach ihr Lieben! Schön auch endlich ausführlicher von euch lesen zu können! Ich freue mich auf jeden weiteren Artikel. Eure Instaprofile und die ersten Berichte hier sind schon höchstgradig vielversprechend 🙂

    • Antworten
      Sophie
      24. Juli 2017 at 11:36

      Hach, Merle! Vielen Dank! Wir sind auch ziemlich aufgeregt und hoch motiviert 🙂

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