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Pekip und Babykurse
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Pekip und Co. – Wie ätzend sind Babykurse wirklich?

“Ich komme grad vom Pekip”, gab eine gute Freundin von mir Meldebericht am Telefon. Ich war noch nicht einmal schwanger und das Babythema so weit entfernt von mir, wie adäquate Tischmanieren von einem dauerkleckernden Kleinkind. “Pe-… was???”, brüllte ich in mein Telefon während die S-Bahn einfuhr. Nach dem Telefonat wusste ich: Es gibt Kurse, bei denen Eltern mit ihren nackten Babys in einem warmen Raum sitzen und Kinderlieder singen. Pekip halt. Ähm, ja. Nein, danke.

Ein Jahr später – mittendrin

Wie eine Lawine aus Windeln, Geschrei und Schlaflosigkeit übermannte mich im Herbst 2015 das Mamasein. Was für mich ganz schnell, ganz wichtig wurde: Struktur und eine Tagesplanung.

Nichts war schlimmer, als die Tage, die ich ganz alleine nur mit Dutzidutzi und Schschschsch verbrachte. Ich brauchte also Termine und erinnerte mich an dieses “Pekip”. Also: angerufen, Termin vereinbart, losgelegt. Was für eine gute Entscheidung!

Ready for #pekip ✊🏼🐻 #letsdothis #babyfun #manwhatamumlife

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Erst Begrüßungslied, dann Schreiattacke

Die ersten Minuten im Kurs waren ein Schock. Es wurde tatsächlich gesungen. Sofort. Und während ein paar andere Mütter, die wohl schon etwas Erfahrung mit Kinderliedern hatten, voller Inbrunst einstiegen, hielt ich mich eher zurück und kitzelte beschämt nach unten blickend die winzigen Füße meines ebenso überraschten Babys.

Der Kleine war sogar so perplex, dass er nach fünf Minuten anfing zu schreien. Richtig zu schreien. Unberuhigbares Schreien. Meine erste Pekip-Stunde endete daher nach etwa 18 Minuten.

Plötzlich irgendwie gut

Trotzdem wusste ich sofort, dass ich diese Gruppe wiedersehen will. Und so sah ich sie wieder. Ein halbes Jahr, einmal die Woche. Die Leiterin, selbst erfahrene Dreifachmutter, wurde nicht müde uns zu beschwören: “Es ist unglaublich was ihr leistet! Seid stolz auf euch! Gönnt euch mal was!” Es tat so gut genau diese Worte zu hören.

Und auch die anderen Mädels (Papas sind hier leider eher die Seltenheit) waren alle so großartig und dabei so unterschiedlich. Auf anderem Wege wären wir wohl nie zueinander gestoßen.

Pekip Fazit

Nach Nächten, in denen man jede Stunde stillen muss, kann einen niemand so gut trösten wie andere Mütter in genau dieser Situation. Die Stunde Pekip war stets eins meiner Wochenhighlights.

Auch wenn ich vor der Geburt nicht gedacht hätte, dass ich eine Mutter sein würde, die Babykurse besucht, musste ich dann feststellen: So ätzend ist das alles gar nicht. Im Gegenteil. Man weiß natürlich nie, ob man mit den anderen Teilnehmer/innen oder auch der Leiterin auf einer Wellenlänge liegt, aber wenn dem so ist, kann ein Babykurs eine unheimliche Bereicherung sein.

Persönliche Vorteile:

  • Mama- und Kind-Kontakte, die sich bis heute halten
  • Austausch über Probleme und Antworten auf Fragen
  • Baby hat sich (nach anfänglicher Überraschung) sehr wohl gefühlt
  • Gute Vorbereitung für die Kita

Das Alphabet der Babykurse

Für mich war die Art des Kurses eigentlich überhaupt nicht relevant. Trotzdem fand Carl den warmen Raum und das Nackigsein beim Pekip toll. Wer es ganz genau wissen will: Wir haben einen Pekip-Kurs im Paul & Paula in Friedrichshain gemacht. 

Es gibt allerdings unzählige entwicklungspsychologische Konzepte mit lustigen Namen und verschiedenen Ansätzen der Frühförderung. Im Folgenden haben wir einmal aufgeschlüsselt, was sich dahinter verbirgt:

Was?

Was???

Erfahrung

Babymassage Man lernt Handgriffe, durch die das Baby entspannen soll Mit Hilfe einer DVD (oder YouTube-Videos) kann man das auch gut zu Hause machen.
Babyschwimmen Viele Babys fühlen sich im Wasser wohl, außerdem gibt es jede Menge Körperkontakt zu Mama oder Papa. Unser Kinderarzt hat uns damals von einem Babyschwimmkurs abgeraten. Gerade im Winter sei das warme Wasser ein wahres Eldorado für Keime und Krankheitserreger.
Baby-Shiatsu Eine asiatische Fingerdrucktechnik, die das Baby besser entspannen und schlafen lassen soll. keine
Babyturnen Baby- und Kleinkindturnen hat nichts mit Liegestütz und SItups zu tun. Hier können die kleinen ab Krabbelalter spielerisch ins Schwitzen kommen. In Friedrichshain wird in der Turnhalle der Justus-von-Liebig-Grundschule kostenloses Kinderturnen angeboten. Vor allem im Winter, wenn kein Spielplatzbesuch möglich ist, eine tolle Gelegenheit zum Rumtoben.
Baby-Yoga  Ohhhmmm! Beim Baby-Yoga werden sanfte Yogaübungen für die Mama mit entspannender Massage für das Baby verbunden. Mutter und Kind sollen hier Ruhe und Entspannung finden Bei einer Probestunde wurde mir klar, dass mein Kind mehr Action und Unterhaltung braucht. Ruhe und Entspannung sind einfach nicht so sein Ding.  Yoga mache ich dann doch lieber ohne Kind.
Delfi  „DELFI“ setzt sich aus „Denken, Entwickeln, Lieben, Fühlen, Individuell“ zusammen. Ähnlich wie beim Pekip lernt man hier, wie man die Entwicklung des Babys auf spielerische Weise unterstützen kannst.  keine
ElBa  „ElBa“ steht für „Eltern und Baby“. Das Konzept wurde vom Deutschen Roten Kreuz entwickelt und soll Eltern und Baby gleichermaßen zugute kommen. keine
FABEL FABEL steht für „FAmilienzentriertes Baby-ELtern-Konzept“. Beim FABEL-Kurs sollen im Gespräch mit anderen Eltern und den Kursleitern Fragen rund um das Baby behandelt werden.  keine
FenKid  Der Begriff FenKid kommt von „Frühentwicklung des KinDes“. Mit verschiedenem Spielmaterial werden unter Anderem das Fühlen, Hören und Erkennen gefördert.  keine
Musikzeit In den Musikkursen werden verschiedenste Spiele, Reime und Lieder ausprobiert.  Man sitzt in einem Raum mit anderen Erwachsenen und deren Kindern und singt, tanzt, trommelt. Für mich gewöhnungsbedürftig. Für das Kind ein riesengroßer Spaß. Würde ich deshalb wohl auch wieder machen.
PEKiP  Der PEKiP e.V. (Prager Eltern-Kind-Programm) ist der alleinige Ausbilder für die PEKiP-Kursleiter. In den Kursen liegen sechs bis acht gleichaltrige Babys nackt in einem warmen Raum auf dicken Matten. Anschließend wird die Entwicklung spielerisch unterstützt. Dabei wird nichts „trainiert“, sondern die Babys werden animiert, selbst etwas zu tun. Für mich und das Kind ein hilfreicher und toller Kurs. (s.o.)
Pikler  Die Kinderärztin Emmi Pikler steht für einen Bewusstseinswandel in der Kleinkindpädagogik. Dieser Ansatz berücksichtigt, dass sich das Kind nach einem eigenen Rhythmus die Welt erschließt. In einer Pikler-Gruppe steht das selbstständige Spielen des Kindes im Mittelpunkt.  keine

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