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INSTAGRAM STREIT: Deswegen ist Attachment Parenting wirklich so gefährlich

Seit Tagen geht es in weiten Teilen meines Insta-Feeds nur noch um eins: die Empörung über diesen ZEIT-Artikel über Attachment Parenting. Da rücken selbst Rabattcodes und Schleichwerbung mal in den Hintergrund. Es geht grob gesagt um die Frage, ob die bindungsorientierte Erziehung die Eltern in die Selbstaufgabe treibe.

“Nein!”, schreien die Anhänger eben dieser Erziehungsideologie. Sie finden: die Autorin hat das Prinzip, das dahinter steckt eben einfach nicht kapiert. Sie ist das Problem, nicht das Attachment Parenting. Das Problem liegt doch aber eigentlich ganz woanders.

Mütterhass

Auf den Artikel in der Zeit folgte eine haushohe Welle der Reaktionen im Netz. Ein namhafter Blog rief dazu auf, klarzustellen, wie denn Attachment Parenting hierzulande wirklich aussehe. Mit Selbstaufgabe habe das nichts zu tun. Zwei Lager entstanden und genau hier fängt der fade Beigeschmack dieser Diskussion an.

Es werden Mitstreiter angeworben und damit andere ausgegrenzt. Mütter gegen Mütter. (Klar sprechen hier auch Väter mit, aber bei der derzeitigen Diskussion sind fast ausschließlich Frauen federführend.) Ich mache es so und das ist richtig. Du machst es so und das ist falsch. Schwarz und weiß. Dabei kann es das doch eigentlich nirgends geben und als letztes in der Kindererziehung.

Ideologie des Wahnsinns

Hand aufs Herz: Wer kann denn sagen, dass er bei dem Großziehen seiner Kinder hundertprozentig einer Ideologie folgt. Es sind doch immer die Nuancen und Tagesformen aller Beteiligten, die den Erziehungsstil prägen. Im Zentrum des Attachment Parenting, so schreiben die meisten Kommentatorinnen bei Instagram, in der liebevollen Bindung zueinander und der Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Familienmitglieder. Bei der Umsetzung dieser Grundsätze solle man undogmatisch umgehen. So weit, so richtig.

Das Attachment Parenting hat sicherlich super Ansätze. Auch ich habe viel darüber gelesen und mir den ein oder anderen Rat zu Herzen genommen. Allerdings habe ich mein Kind nur ein gutes halbes Jahr gestillt, es schläft seitdem im eigenen Zimmer und mit einem Jahr kam es in die Kita. Den Fakten zufolge gehöre ich also dann doch irgendwie  zum anderen Lager. Will ich doch aber gar nicht. Ich erziehe doch auf keiner Seite. Wenn schon, dann auf der meines Kindes.

Um wen geht es hier eigentlich?

Während sich die anspruchsüberfrachteten Mamas die wütenden Finger wund tippen, könnte man doch einfach mal locker durch die Hose atmen. Die Frage nach dem: “Wie erziehst du eigentlich?” wird doch eigentlich obsolet, wenn man es einfach so tut, wie es sich gerade richtig anfühlt, liebevoll vorgeht und sowohl auf die Bedürfnisse der Kinder als auch auf die eigenen Rücksicht nimmt.

Wer eine Ideologie vertritt und verteidigt und das auch noch im Bezug auf Kindeserziehung, instrumentalisiert am Ende doch diejenigen, die von der bindungsorientierten Erziehung profitieren sollten: unsere Kinder. Egal, ob es um das Stillen, das Tragen, das “richtige” Gebären oder das Schlafen geht – es gibt eben kein richtiges Modell und somit sollte auch keines als das einzig wahre gepriesen werden. Muttis, habt euch lieb. Nehmt euch an die Hand, unterstützt euch und lasst doch einfach mal die hochgezogene Augenbraue unten. Niemandem steht es zu, den anderen zu definieren oder ihm zu sagen, ob er nun bindungsorientiert ist oder nicht.

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10 Kommentare

  • Antworten
    Ilse
    7. September 2017 at 7:27

    In der ganzen Diskussion was nun richtig oder falsch ist, wird vergessen, dass wir Mamas alle unsere Kinder lieben und das Beste für sie wollen. Und nur weil wir nachts im eigenen Bett in Ruhe schlafen wollen und uns noch ein zweites Glas Wein gönnen, sind wir keine schlechten Mütter. „Leben und leben lassen“, trifft es hier wohl ganz gut.

  • Antworten
    Lisa
    7. September 2017 at 7:37

    Auf den Punk!

  • Antworten
    Lisa
    7. September 2017 at 7:38

    Auf den Punkt!

  • Antworten
    Jette
    7. September 2017 at 8:00

    Ich Danke der Jornalistin der Zeit für diese ehrlichen Worte! Endlich!!! eine die den Mut hat den Mund aufzumachen und dagegen zu sprechen…
    Trend her, Trend hin – ein gesundes Mittelmaß ist notwendig! Und nicht so ein übertriebenes Gehabe!
    Bsp: kann mir keine Mutter erzählen, dass sie es toll findet, wenn dass 2 Jährige Kind in der Stadt angerannt kommt, die Brust rausholt und mal eben Durst hat und angeblich gestillt werden muss *kopfschüttel* dass ist mehr die Bestätigung für die Mutter – nichts anderes!
    Danke liebe Laura – für deinen objektiven Blogbeitrag!

  • Antworten
    Frederike
    7. September 2017 at 8:57

    Amen! Der beste Beitrag, den ich zu dem Thema bisher gelesen habe! Danke!

  • Antworten
    Wiebke
    7. September 2017 at 9:09

    An Jette:
    So schade, dass unter diesen schönen & versöhnlichen Worten gleich noch ein bisschen Öl ins Feuer gießt. Wenn Mütter sich damit wohlfühlen, ihr zweijähriges Kind in der Öffentlichkeit zu stillen, dann ist das doch okay und gar nicht dein Problem, oder? Es ist allemal natürlicher, als es nach wenigen Monaten zu tun & übrigens auch von der WHO so empfohlen. Aber das ist eigentlich auch total egal und genau darum geht es in diesem Artikel hier auch: jede Familie muss ihren Weg finden und das am allerbesten ganz ohne Verurteilungen, wie du sie hier äußerst.

    Zu Lauras Artikel: Ich finde super, dass ihr mal in den Fokus stellt, dass Kinder teilweise ganz schön instrumentalisiert werden. Dennoch fand ich es wichtig, dass darauf aufmerksam gemacht worde, dass der Zeit-Artikel eben nicht das widerspiegelt, wie AP eigentlich sein sollte. Aber er zeigt die Gefahren ganz gut auf und rüttelt vielleicht die ein oder andere Mutter(und natürlich auch Väter) auf, ein bisschen achtsamer zu sein, WENN man sich für diesen Weg entscheidet. Dass ich Eltern, die sich für einen bindungsorientierten Weg entschieden haben, ein bisschen auf den Schlips getreten fühlen, kann ich aber verstehen. Allerdings eher durch Kommentarspalten, Clickbaits zu diesem Thema und unsachlichen Aussagen, schlecht recherchierten Artikeln auf beiden Seiten.
    Ich verstehe eine Sache aber auch nicht. Wieso fühlen sich alle so, als müssten sie sich für eine Seite entscheiden und das auch noch kommunizieren? (Ausgenommen mal die, die sich um eine sachliche Richtigstellung bemühen) Wenn man mit sich und seinem Weg im Reinen ist, dann ist das doch toll und dann muss man sich doch auch gar nicht rechtfertigen. Warum können nicht alle sagen:“Ich akzeptiere Dich und deinen Weg.“ Warum können wir nicht voneinander lernen? Die AP-Mama von der nicht-AP-Mama ein bisschen Selbstfürsorge und die nicht-AP-Mama etwas über kleibkindliche Bedürfnisse. (nur so als Beispiel und natürlich mit den typischsten Vorurteilen).
    Ich finde @piepmadame und @motherhoodblog machen das zum Beispiel auf eine respektvolle und wertschätzende Art und Weise. Sie sind nicht einer Meinung, aber können das auf normale Art&Weise kommunizieren. Warum nicht so?

  • Antworten
    Ines
    7. September 2017 at 10:16

    Du sprichst mir sooo aus der Seele. Vielen Dank für diese treffenden Worte. Jedes mal wenn ich Beiträge bei Instagram lese, fängt es in mir an zu brodeln. Ich habe so viel zu sagen zu diesem Thema. Würde aber niemals an so einer, zum Teil stupiden Diskussion teilnehmen, da ich es so lächerlich finde. Aber danke, das du das was in mir seit Monaten brodelt endlich aufgeschrieben hast.
    Und zu Jette: ich Stille mein zweites Kind jetzt seit zehn Monaten. Wenn ich es in der Öffentlichkeit mache, dann merke ich wie ich mich immer mehr dafür schäme. Sie ist einfach zu alt, und dieses Bild von Müttern die es bis ins hohe Alter zelebrieren fand ich immer „merkwürdig“. Also wird sie jetzt nur noch Nachts gestillt. Und dieses ganze abstillen, hat auch irgendwie sehr viel mit Bequemlichkeit zu tun.

  • Antworten
    Andy
    7. September 2017 at 10:58

    Ist nicht alles bindungsorientiert, was mit bedingungsloser Liebe und Freude dem Kind gegenüber passiert? Wir sollten tatsächlich mal alle locker durch die Buchse atmen, wenn unser größtes gesellschaftliches Problem »Attachment Parenting« und der damit verbundene Beef untereinander ist.

    Ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt, sechs Monate Stillzeit, ein ganzes Jahr oder Pre-Milch, Tagesmutter, Kita oder die Betreuung zuhause. Das ist den Lütten letztendlich furzegal solange sie mit liebe-, verantwortungs- und humorvollen Mamas und Papas ausgestattet sind, die ihnen unseren knallbunten Planeten zeigen.

    • Antworten
      Kat
      7. September 2017 at 23:28

      Applaus liebe Andy!! <3

  • Antworten
    Olivia
    8. September 2017 at 10:30

    Cooles Statement! Sehe ich genauso!!! LG, Olivia

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