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GEBURTSBERICHT Teil II: Push it real good

Nach dem ersten Part kommen wir gleich zu einem sehr, SEHR intimen Teil der Geburt. Kleiner Rückblick an dieser Stelle: Ich hatte mich umgezogen und dank des Tropfes verabschiedete ich mich zwischen den Wehen irgendwohin, wo es keinen Schmerz gab. Sobald sich eine neue Wehe ankündigte, sprangen meine Augen auf und ich war wieder voll da. Erzählt Gero zumindest so und ein bisschen kann ich mich sogar daran erinnern.

Seitlich liegend, mit dem rechten Knie auf einer Stütze ging die letzte Etappe los. Und da haben die mir auf einmal einfach verboten zu schreien! Was vorher so wichtig war, um den Schmerz zu kanalisieren, war plötzlich streng untersagt. Damit der Druck nach unten geht und nicht in die Leere nach oben aus meinem Mund entweicht, musste Gero mir selbigen sogar zwischendrin immer mal wieder zuhalten. Klingt jetzt komisch, hat mir aber viel mehr geholfen als jedes Anfeuern es getan hätte.

That’s life

Bei dem, was nun kommt, werden sicher einige sagen, das gehört hier nicht her, das ist zu persönlich. Ich schreibe trotzdem darüber, weil es eben vielen Gebärenden so geht und deswegen eher Normalität statt Tabuthema sein sollte. Und vielleicht denkt ihr ja, wenn ihr selbst im Kreißsaal hockt, liegt oder steht an mich und seid weniger verzweifelt als ich es war.

Vorab: Ich habe keinen Einlauf bekommen und zum Abendessen hatte ich Nudeln mit Tomatensoße. Als es plötzlich unfassbar in meiner unteren Körperhälfte begann zu drücken, ratterte es in meinem Kopf und ich stellte entsetzt fest: Oh Gott, ich muss! Jetzt! Aber da saß doch Gero!!!! Wenn der das sieht, wird nie wieder alles so sein wie vorher! Ich fragte also – mitten in der Geburt – ob ich jetzt noch mal zur Toilette könnte. Mir wurde entgegen geschmunzelt. „Alles gut, das fühlt sich nur so an.“ Oh ja, GENAU SO! Zum Glück wussten es alle besser als ich und das Verhältnis zwischen Gero und mir wurde nicht in Gefahr gebracht. Naja und wenn dann nur durch ihn. Entgegen meines Verbotes hat er nämlich doch noch gegen Ende in die erste Reihe gewechselt und sich angesehen, wie Leni das Licht des Kreißsaals erblickte.

Heul doch! Musste aber nicht

Nach fünf Presswehen war es geschafft. Drei für den Kopf, zwei für den Körper. Um 06:17 Uhr, also nur sechs Stunden, nachdem zuhause die Wehen eingesetzt hatten, war ich schon Mama. Aber das habe ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begriffen. Deswegen habe ich, obwohl ich unbeschreiblich glücklich war, auch nicht geweint. Wundert euch also bitte, bitte nicht, wenn es euch ebenso geht. Nicht jede Mutter bricht sofort in Tränen aus, wenn sie ihr Baby auf die Brust gelegt bekommt. Dieses Wunder war für mich einfach noch nicht greifbar. Als wir Leni aber zwei Tage später in ihr eigenes Bett in unserem gemeinsamen Zuhause gelegt haben, da habe ich geweint.

Ein von @jettevomzaun geteilter Beitrag am

Schmerz lass nach?

Dank kannenweise Himbeerblättertee und geburtsvorbereitender Akupunktur – bilde ich mir zumindest ein – hatte ich übrigens nur ganz minimale Geburtsverletzungen. Und das, obwohl ich auf eine Dammmassage verzichtet habe. Nachdem ich also nach meinem Mädchen auch noch die dazugehörige Plazenta – dieses Wunderding! – entbunden habe, wurde ich von einer jungen, blonden Ärztin (Ich so im Delirium: „SIE sind die Ärztin?“) mit wenigen Stichen innen genäht.

Jede Geburt tut weh. Davon bin ich überzeugt. Es wäre Quatsch, das nicht zuzugeben. Aber es war für mich persönlich weniger schlimm als ich es mir vorher ausgemalt habe. Also so im Nachhinein betrachtet. Die Sophie aus dem Wehenzimmer würde mir jetzt wahrscheinlich eine runterhauen. Ganz viel ist auch einfach Glückssache und Zufall. Wie zum Beispiel, welche Hebamme man bekommt, ob man sich vorher ausschlafen konnte, wie das Baby im Becken liegt und und und. Ich bin sehr dankbar für diese einfache Geburt und weiß, dass es durchaus anders hätte ablaufen können. Trotzdem bin ich auch stolz auf mich. Und auf Leni. Und auf Gero, den besten Mann der Welt.

 

Entschuldigt bitte, wenn dieser Bericht euch etwas durcheinander erscheinen sollte, aber so ein Erlebnis aufzuschreiben, ist gar nicht so einfach. Beim Erinnern fällt einem hier und da immer noch etwas Wichtiges ein.

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