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GEBURTSBERICHT: Mein geplanter Kaiserschnitt war voller Überraschungen

Mit dem positiven Schwangerschaftstest geht ja alles los. Und zack sind da diese Gefühle. Freude. Stolz. Unglaubliches Glück. Wenn man genau hinsieht, ist da doch schon ein kleiner Bauch? Mach mal ein Foto! Da, man sieht es genau! Einige Monate und fast 20 Kilo später konnte ich am Ende der Schwangerschaft über dieses Bauchbild nur schallend lachen.

Am Ende der nahezu beschwerdefreien Schwangerschaft (Bis auf “Alter, mir brennt der Sod!” kommen kaum Klagen über meine Lippen) kann ich mir am Ende dann doch beim besten Willen nicht mehr die Schnürsenkel binden oder es in der Rekordzeit von unter drei Minuten vom Sofa hoch schaffen.

Po zuerst, nein danke

Es wird Zeit, dass dieser in mir sitzende Junge da rausgeholt wird. Genau, rausgeholt nicht rausgeschoben. Das Kind fühlt sich nämlich in der gemütlichen Beckenendlage äußerst wohl und so entscheiden wir uns für einen Kaiserschnitt. Mit dem Po zuerst da unten raus und dann passt der Kopf nicht durch? Och nö.

Also wird im Krankenhaus ein Termin vereinbart. Welchen Tag hätten Sie denn gerne? Das ist ja wie beim Friseur. Klar, geschnippelt wird hier auch, aber statt der neuen Strähnchen nimmt man danach tatsächlich ein neues Familienmitglied nach Hause. Das fühlt sich doch irgendwie komisch an. Aus dem Bauch heraus (ein kleines “Höhö” sei an dieser Stelle erlaubt) entscheiden wir uns für einen Freitagmorgen. Und der kommt schneller als gedacht…

Schwangerschaft

Wenige Stunden vor der Geburt: Noch einmal schnell die ganzen Babybauchposen durchgehen, bevor er weg ist.

Es wird ernst

Die Nacht davor schlafe ich überraschend gut. Doch als morgens der Wecker klingelt, fängt mein Herz an zu rasen. Wir können die Stunden zählen, bis uns ein Skalpell zu Mama und Papa macht. Irgendwie unromantisch, irgendwie verrückt. Bis dahin hatte ich kaum Übungswehen, trotzdem soll es jetzt los gehen. Um 7:30 Uhr verlassen wir unsere Wohnung.

Kurz vor Acht stellen wir uns wie geplant im Kreißsaal vor. Mutterpass und Versicherungskarte werden abgegeben und wir werden in den Vorbereitungsraum geführt. Vorab erhielten wir die Information, wir sollten Geduld mitbringen. Es könne einige Stunden dauern, bis man in den OP komme, da Notfälle natürlich immer Vorrang haben und an dem Morgen noch zwei weitere geplante Kaiserschnitte stattfinden.

Doch alles kommt anders

Die Dame, die vor mir kaisergeschnitten (?) werden sollte, kommt zu spät, die andere ziert sich, auf Grund ihres Glaubens, von einem Mann operiert zu werden, der Oberschwester reichts: “Fräulein, sind sie bereit? Sie waren pünktlich, Sie machen keine Probleme, Sie sind jetzt als erstes dran. CT, Ultraschall brauchen wir nicht. Sie kommen jetzt in den OP, ihr Sohn ist gleich da.” Ai, ai Sir. Mir wird an der Hand ein Zugang gelegt und los gehts. (Spoiler: Das war dann auch schon der stärkste Schmerz des ganzen Eingriffs.)

Ich werde in meinem hübschen Kittelchen mit den kleinen rosa Rauten in einen gefliesten Raum geführt, in dem alles in gleißend bläuliches Licht gehüllt ist. “Einmal auf die Liege klettern”, bittet mich der freundliche Anästhesist, der mich die kommende knappe Stunde noch einige Male zum Lachen bringen sollte und so für ein entspanntes Grundgefühl sorgte. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Ich war erleichtert.

So viele Menschen

Was mir vorher nicht ganz klar war: Da sind sooo viele Menschen. Schwestern, Ärzte, Anästhesisten. Mein unterer Rücken wird mit drei kleinen Pieksen betäubt und anschließend wird die Spinalanästhesie gelegt. Alles komplett schmerzfrei. Dann werde ich auf die Liege gebettet und mir wird der Katheter gelegt. Zu dem Zeitpunkt spüre ich abwärts der Brust nichts mehr.

Meine Hände werden seitlich vom Kopf festgeschnallt und ein Tuch wird gespannt. Immer wieder werde ich gefragt, ob mir schlecht ist oder ich Kreislaufprobleme habe. Nichts dergleichen ist der Fall. Dann kommt mein Mann zu mir geführt. Endlich. Es kann losgehen.

Der Po ist schon da

Der Arzt verkündet: “Ich fange jetzt an. Es ist 8:51 Uhr”. Mein Mann versucht noch ein paar Scherze zu machen, dabei merke ich ihm die Anspannung an. Doch wir reden als würde gerade nichts weiter passieren, um uns abzulenken, damit die extreme Aufregung nicht überhand nimmt.

“Gleich ruckelt es kurz”, erklärt der Doktor. Und das stimmt. Aber wie. Ich spüre zwar keinen Schmerz aber mein ganzer Körper wackelt als würde er auf einer Hüpfburg liegen und daneben ein Nilpferd auf und ab springen. Von: “Der Po ist schon da” bis zum ersten Schrei dauert es dann nur wenige Sekunden.

Hallo Baby

Um 8:56 Uhr gurgelt sich Carl ins Leben, sofort wird er mit dem kleinen Knautschgesicht ganz nah an meines gehalten. Ich kann ihn küssen und riechen und checke intuitiv kurz ob alles dran ist. Sieht gut aus. Dann wird er kurz beiseite genommen, die Nabelschnur wird durchtrennt, es wird etwas Fruchtwasser abgesaugt. Anschließend kommt er nochmal zu mir und seinem Papa.

Nun kommt der Part, der für manche Mütter scheinbar schwierig ist. Das Baby kommt mit dem Papa in den Aufwachraum, während die Mutter genäht wird. Ich habe kaum Erinnerung an diese Zeit. Waren das 10 Minuten? Oder 30? Ich weiß es nicht mehr. Es war auf jeden Fall (für mich) nicht schlimm. Danach werde ich dann in einem Bett zu Vater und Sohn geschoben.

Dem boyz ❤️💥🙌🏼 #snuggletime #alongcamecarl #carlandpapa #ninedaysold #babyboy #lovelovelove #daddyandson #sundayeveryday

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Hormone, diese miesen Lümmel

Der Anblick meines Mannes mit unserem Sohn (“Unser Sohn!” – das zu sagen, machte  sowas von abhängig) ist einfach nur irre. Zack ist man eine Familie. Vater, Mutter, Kind. Peng! Seit ich als kleines Mädchen anfing, mit meiner ersten Puppe Lieselotte zu spielen, war da im Hinterstübchen immer dieser Gedanke: irgendwann will ich mal mit einem echten Mann ein echtes Baby haben. Und dann ist er da, dieser Augenblick. Klingt wie eine Schnulze von Clueso, aber: Kann mal einer die Zeit anhalten? Diese Gefühle ordnen? Sie einfangen und irgendwie konservieren?

Ach schön ist das und lässt alle Schmerzen, die dann kommen, in den Hintergrund geraten. Am Nachmittag wird der Katheter gezogen und ich stehe mit Hilfe zweier Schwestern auf. Am nächsten Tag kann ich schon, wenn auch ganz langsam, alleine zur Toilette gehen. Lachen und Husten zieht fies im Bauch und manchmal blubbert Luft durch meinen entleerten Uterus, was von außen aussieht, als würde noch immer ein Baby in meinem Bauch um sich treten. Aber sonst ist alles gut.

Schlaflos und Stillprobleme

Dann kommt der nächste Akt des Kinderkriegens. So richtig finden Brust und Babyschnute nicht gleich zueinander, sodass der eh schon zierliche Knabe zu viel abnimmt. Deswegen bleiben wir statt der geplanten drei Nächte, vier im Krankenhaus. Doch wir haben ein Familienzimmer, bekommen Essen gebracht und erhalten bei jedem Andocken Hilfe von Stillberaterinnen. Als wir entlassen werden, klappt dann doch alles gut und der Kaiserschnitt ist weitgehend verdaut.

Am Ende muss ich sagen, dass die Geburtserfahrung für mich einmalig und wunderschön war. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl versagt zu haben, weil ich mein Kind nicht auf die traditionelle Weise zur Welt gebracht habe. Für uns drei war der Kaiserschnitt am Ende eine gute Entscheidung.

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1 Kommentar

  • Antworten
    Miriam
    27. September 2017 at 14:26

    Danke fürs Teilen deiner Erfahrung und die ehrlichen Worte! <3

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