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Terrible Three: Wutausbrüche here we go!

Huiuiui unser erster Gastbeitrag! Während Laura und ich uns noch mit Ein- und Zweijährigen vergnügen, ist Phine (29, P-Berg) schon ein Level aufgestiegen. In mehreren Belangen sogar: 1. Sie ist seit diesem Frühjahr zweifache Jungsmama. 2. Der Große ist gerade in einem hübsch trotzigen Alter. Wie man da die Nerven behält – oder manchmal eben auch nicht – erzählt sie euch hier.

Terrible Two? Kenn ich nicht. 

Ich kann mich noch gut erinnern, als vor circa einem Jahr eine Kitamama völlig entnervt zu mir kam und ihr Leid über ihr „ständig heulendes und bockendes“ Kind klagte.

Es sei einfach noch kein Verständnis da, es könne sich noch nicht richtig ausdrücken und daraus resultierend sei permanente Frustration bei Kind und Mama an der Tagesordnung, inklusive stereotyper Einkaufsszenen mit auf den Boden schmeißen und Loskreischen sowie Wegrennen. Ich war entsetzt und versuchte ihr gut zuzureden, aber ein „Kenn ich!“ konnte ich ihr leider nicht anbieten. Enno war für mich das perfekte zweijährige Kind. Er war mit knapp über zwei schon trocken und konnte ziemlich gut sprechen, hat gehorcht (meistens jedenfalls), ist nie allein weggerannt, lief gern an der Hand, ist mit Lächeln und Gutenachtküsschen abends in sein Bett gegangen, liebte die Kita und wollte nichts außer ein Buch vorgelesen bekommen oder Lego spielen. Mamas, die stattdessen mit ihren Tantrum-Toddlern die Straßen und Drogerien unsicher machten, hatten zwar mein Mitgefühl, aber ich konnte beim besten Willen nicht nachvollziehen, wieso ein Kind so ausflippen würde und erst recht habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass es mich jemals treffen könnte.

Die Wurzel allen Übels?

Mit knapp drei Jahren ging es für Enno von der Krippe hoch in den Kindergarten zu den Großen. Da unsere Kita mit offenen Gruppen arbeitet, war Enno plötzlich wieder der Kleinste und musste lernen, sich zwischen den Vier- bis Sechsjährigen durchzubeißen. Dort wurde es geboren, mein Monster.

Plötzlich war ich die Mutter, die sich verzweifelt umsah, weil Enno mal wieder einen theatralen Heulkrampf mitten auf dem Kollwitzplatz bekam – nicht, dass das dort ungewöhnlich wäre, nur war ich stets peinlich berührt und mit der Situation überfordert. Und bin es heute noch. Morgens anziehen? Enno WILL aber noch zu Ende spielen. In die Badewanne gehen? Enno WILL aber keine Schrumpelhaut haben. Eher von der Kita holen? Enno WILL aber noch spielen. Später von der Kita holen? Enno WILL nicht IMMER so spät abgeholt werden…

Von der Heldin zum Buhmann

Von „Mama, gehen wir ein Eis essen?“ „Schatz, ich habe leider mein Portemonnaie nicht bei.“ zu „Oh manno! Ist doch total doof. Ich will meinen Papa! Ich will nicht nach Hause!“ vergeht manchmal keine Minute. Was macht man denn dann? Gut zureden dringt nicht durch. Schimpfen macht es nur noch schlimmer. Genervt reagieren bringt ebenfalls nichts. Links liegen lassen und ignorieren hilft bedingt, aber beruhigen tut sich so auch niemand. Was zur Hölle mache ich?? Wenn schon die Entscheidung, welchen Weg wir nach Hause gehen zum Nervenzusammenbruch seitens des Kindes führt? Und das Schlimmste: War ich vor einem Jahr noch die Heldin, so bin ich jetzt die Idiotin. Alles was ich sage, alles was ich tue wird in Frage gestellt. Dem Kitakumpel wird geglaubt, dass die Oma vom Dinosaurier zertrampelt wurde, aber mit mir wird bis aufs Blut diskutiert, welcher Weg nach Hause der kürzere ist. Und Recht habe ich schon mal nie. Da reißt mir schon auch mal der Geduldsfaden und am Ende des Liedes stehen zwei Schmollis, die bockig nebeneinander nach Hause schlurfen.

Ablenkungsmanöver helfen

Ich weiß nicht, wann das endet, aber ich hoffe, dass bald etwas mehr Rationalität in seinem Köpfchen Platz hat und nicht aus jeder Mücke ein Elefant gemacht wird. Mein Weg, damit umzugehen ist, ihn an Entscheidungen mehr teilhaben zu lassen. Nicht sagen, „Komm Süßer, zieh bitte deine Jacke an!“, sondern „Welche Jacke möchtest du heute anziehen? Die grüne oder die blaue?“. Damit gebe ich ihm Mitspracherecht und er fokussiert sich auf die Entscheidung, die er zu treffen hat und vergisst darüber, dass er eigentlich noch etwas anderes machen wollte. Und ganz nebenbei komme ich auch zu meinem Ziel, dem Anziehen. Das klappt natürlich nicht immer, aber manchmal und es macht unser Leben gerade etwas leichter.

Ich habe absolut keine Ahnung, wie lange das noch gut geht, aber so funktioniert es gerade für uns. Wenn ich dann abends ein Gutenachtküsschen kriege und er eingekuschelt im Bett liegt, weiß ich, dass wir das „Terrible Three“-Ding schon irgendwie schaukeln werden.

PS: Enno wird in zwei Wochen vier. 🙂

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2 Kommentare

  • Antworten
    Kristina Wilhelms
    27. November 2017 at 9:55

    Endlich mal ein Mom-Blog, der auch gute Texte hat. Ihr könnt sehr gut schreiben. Ganz anders als die Mehrzahl der Millionen Mom-Blogs. Es geht also doch. Und zudem keine Rechtschreibfehler, das ist auch angenehm. Danke!

    • Antworten
      Sophie
      27. November 2017 at 12:16

      Hey Kristina, danke für dein nettes Lob! Laura und ich kommen ja auch beide aus dem Journalismus. Es wäre traurig, wenn wir die deutsche Sprache nicht fehlerfrei beherrschen würden 🙂

      Hab noch einen schönen Tag!

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