Momdays
Momlife

Das ist doch kein Thema für einen Mama-Blog!

Ich mag alte Menschen. Das klingt erstmal komisch, aber es ist einfach so. Ich mag meine Großeltern im Besonderen, aber auch Menschen, die ich in der Bahn sehe, zaubern mir oft ein Lächeln ins Gesicht. Zum Beispiel neulich, als zwei ältere Männer nach einer harten Bremsung fast aufeinander gestürzt wären und sich nach einem „Entschuldijen ’se“ anfingen länger zu unterhalten, miteinander lachten und sich dann fröhlich verabschiedeten. Oder als mich eine ältere Dame mal fragte, ob ich eigentlich wüsste, dass ich einem Mitglied des britischen Königshauses zum Verwechseln ähnlich sähe.

Manchmal machen alte Menschen mich aber auch sehr traurig. Nämlich dann, wenn ich das Gefühl habe, sie sind einsam. Dass es unheimlich viele Menschen jenseits der 70 gibt, die einfach niemanden mehr haben oder deren Familie weit weg wohnt, ist kein Geheimnis. (Nicht umsonst gibt es Hotlines, bei denen sie sich melden können, nur um mal mit jemandem ein wenig zu plaudern.) Bewusst ist es den breiten Massen aber meiner Meinung nach nicht.

Stellt euch ihr Leben mal vor. Im besten Fall sind sie fit genug, um raus zu gehen und wenigstens so irgendwie Teil von etwas zu sein. Vielleicht sitzen sie gern im Park und gucken den Kindern beim Spielen zu oder füttern die Vögel. Ihr Highlight ist vielleicht der Ausflug ins kleine Einkaufszentrum, wo Eltern Kinderwägen mit ihren süßen Kids vorbei schieben, die den alten Leuten fröhlich und unbedarft zuwinken. So schön diese kleinen Begegnungen auch sind, sie sind flüchtig. Sie geben etwas menschliche Wärme, aber nicht lange.

Leni hat in ihrem zarten Alter schon viel Freude verbreitet und viele Brücken gebaut. Sie bereichert mein Leben, Geros Leben und auch noch viele andere regelmäßig. Ich habe das Gefühl, dass wir beide zusammen sehr viel zu geben haben. Das wir mit unserer offenen und positiven Art eventuell das Leben eines anderen Menschen bereichern könnten. Ich möchte davon etwas abgeben.

Dieses Bedürfnis ist in den letzten Tagen immer größer geworden. Das hat gar nichts mit einer besonderen Begegnung zu tun, die mich im Speziellen berührt hat, sondern mit dem, was ich fast täglich wahrnehme. Ich kann mir nur ganz ungefähr vorstellen, wie schwierig es sein muss, niemanden zu haben, der einem beim Essen Gesellschaft leistet, dem man erzählen kann, was einen fröhlich stimmt, traurig macht oder ärgert, mit dem man sich auf ein leckeres Stückchen Kuchen und einen Klönschnack verabreden kann, der einen unterstützt und den man um Hilfe bitten kann.

Als Nächstes müsste ich jetzt wahrscheinlich mal in ein oder zwei Altenheimen vorbei schauen und fragen, ob es jemanden gibt, der sich über Gesellschaft freuen würde. Als ich Gero von meinen Gedanken erzählt habe, machte er leider eine berechtigte Anmerkung. Er erinnerte mich daran, dass ich schon jetzt oft ins Schwimmen gerate und meine Idee mich zwar ehren würde, aber wahrscheinlich aktuell zeitlich nicht zu realisieren sei. Hm, Mist, irgendwie hat er wohl Recht.

Was ich auf jeden Fall machen werde, ist in Lenis Kita bei der Elternversammlung am Montag Besuche in Altenheimen vorzuschlagen.

Ganz aufgeben möchte ich mein Bestreben definitiv nicht, ich möchte aber auch niemanden enttäuschen, indem ich Treffen immer wieder absagen muss. Während ich also hin und her überlege und nach einer Lösung suche (Habt ihr eine?), möchte ich euch gern die Augen für dieses Thema öffnen. Vielleicht habt ihr ja etwas Zeit übrig, mit der ihr noch nichts Sinnvolles anzufangen wisst. Es wäre doch schön, sie jemandem zu schenken, dem sie wirklich etwas bedeuten könnte.

Mehr dazu:

Freunde alter Menschen e.v.

Wege aus der Einsamkeit

 

Foto: Unsplash/Cristian Newman

Mehr Mehr Mehr...

5 Kommentare

  • Antworten
    Romy
    14. April 2018 at 8:39

    Hallo Sophie,
    Toller Beitrag, schöner Gedankengang und deine Beweggründe sind prima. Gefällt mir!
    Ich denke bzw sehe das ähnlich… allerdings kann ich dir dazu sagen das es, genau wie Gero sagte, viel Zeit in Anspruch nimmt. Mein normaler Job ist in einer Apotheke. Seit letztem Dezember arbeite ich 1 1/2 Tage weniger um mich um meine Großmutter kümmern zu können. Und ohne das reduzieren meines „normalen“ Jobs wäre das nicht gegangen. Mein Vater ist gesundheitlich so angeschlagen das er das nicht leisten kann und ansonsten gibt es da niemanden mehr (die meisten sind verstorben). Meine Oma ist um März 97 geworden- dafür geht es ihr soweit gut aber Hilfe und Unterstützung braucht sie. Seitdem ich mehr für sie da bin und die Pflege mit übernommen habe, haben wir eine noch inniger Beziehung und ihr und mir tut das unheimlich gut. Klar ist es meine Familie und da tut man das ja gerne aber auch das ist Arbeit und kostet Zeit und oft auch nerven.
    Desweiteren gibt es solche und solche Alten Leute… auch da spreche ich aus Erfahrung.
    Klar gibt es immer zwei Seiten oder mehr noch, doch die Zeit die man dafür aufbringen muss (!) Ist schob enorm. Aktuell haben mein Mann und ich noch keine Kinder. Wie es dann wird – keine Ahnung. Dann verschieben sich die Dinge bzw Prioritäten bestimmt. Abwarten! Ich genieße jetzt lieber die Zeit die ich mit ihr habe und lache über ihren Sarkasmus.😊

    • Antworten
      Sophie
      14. April 2018 at 8:51

      Hey Romy!

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde es ganz großartig, dass du so für deine Oma da bist und dafür sogar deine Arbeitszeit reduziert hast. Das ist wahrscheinlich ein unheimlich schönes Gefühl für sie, zu wissen, dass du da bist und nicht einfach nur eine gestresste Pflegekraft vorbeikommt, die eigentlich keine Zeit für Menscheleien hat.

      Ich persönlich dachte eher an ein, zwei Stunden nachmittags einmal wöchentlich. Vielleicht für einen Spaziergang oder eben ein Stück Kuchen in einem Cafe. Das klingt zwar viel weniger aufwendig, aber sollte eben doch regelmäßig statt finden und ich muss mir bewusst darüber werden, wie wichtig mir das wirklich ist und ob ich das tatsächlich leisten kann.

      Danke dir noch mal und ein ganz schönes Wochenende!
      LG
      Sophie

  • Antworten
    Romy
    14. April 2018 at 9:29

    Liebe Sophie, Danke für deine Antwort.
    Für mich ist es tatsächlich trotz reduzierter Arbeit nicht immer leicht bzw kaum zu bewältigen allem und allen vor allem meiner Oma gerecht zu werden.
    Hier bei mir in den Städten gibt es ehrenamtlich Helfer. Vielleicht wäre sowas etwas für euch? Zumindest das könnte man probieren. Vielen Menschen hilft ja da sein schon aus. Und dann auch schon 1-2 Stunden oder auch mal telefonieren. Und Post! Über Post freut sich meine oma z.b. ganz besonders 😊
    Liebe Grüße Romy, schönes Wochenende mit deinen Eierkuchen 😉

  • Antworten
    Sylvie
    14. April 2018 at 9:54

    Hallo Sophie
    Ich finde es super,dass du mal was ganz anderes ansprichst,als vielleicht von deinen Lesern erwartet wird!Wenn ich ehrlich bin,denke ich auch oft über das Alt-werden nach.Ob die Menschen oft zurückblicken?Gerne nochmal jung wären und das einsam -sein ,als letzte Station ihres Lebens sehen?Ältere Menschen nehmen sich oft einfach mehr Zeit und strahlen so eine Ruhe aus.Meine Großmutter kam vor 10 Jahren,nachdem mein Großvater starb in ein Heim und wurde dort leider nie glücklich.Sie betonte immer wieder,dass sie sich so allein fühlte.Es war schwierig, ihr bei dem Problem zu helfen.Ich werde mich hier, in unserem Ort, mal umschauen,ob ich helfen kann…

  • Antworten
    Luise
    24. April 2018 at 17:08

    Liebe Sophie,
    was für eine schöne Idee, im Kindergarten Altenheimbesuche vorzuschlagen! Mein Opa war bis zu seinem Tod in einem Pflegeheim, das zu einem Generationenzentrum gehört. In einem anderen Trakt des Gebäudes war ein Kindergarten und immer mal wieder gab es gemeinsame Aktionen. Da haben die Kindergartenkinder z.B. Lieder für ihr Seniorenpublikum gesungen oder es wurden gemeinsam Weihnachtsplätzchen gebacken und gegessen. Die Pflegeheimbewohner haben je nach Können mitgemacht oder zugeschaut, aber Spaß hat es wohl allen gemacht. Mein Opa hat z.B. Kinder immer geliebt und Kinder fanden ihn auch immer toll. Für ihn war es immer ein Highlight einfach dabei zu sein, auch wenn er gegen Ende nur noch zuschauen konnte.
    Und ich glaube, für Kinder ist es auch wichtig, den Umgang mit älteren Menschen zu lernen bzw. einfach zu sehen, dass manche Menschen einfach nicht mehr so fit sind. Da lernt man ganz nebenbei so viel über Toleranz und die Gesellschaft.
    Ich hatte übrigens als Kind eine Tagesoma – meine eigenen Großeltern lebten zu weit weg und meine Mutter fand es wichtig, dass ich auch mit älteren Menschen zu tun habe.
    Schöne Grüße,
    Luise

  • Mein Kommentar