Momdays
Momlife

You Can’t Sit With Us – Was Kitaeltern mit Schulhofcliquen zu tun haben

Neulich wurde ich im Instagram Livestream gefragt, ob ich mal darüber erzählen könnte, wie das denn so ist mit den anderen Kitaeltern. Lustig, ich hatte mir kurz zuvor vorgenommen, sowieso einen Blogartikel über dieses Thema zu schreiben. Hier ist er also. Bevor es aber ans eigentliche Thema geht, muss ich noch kurz ausholen.

Was keiner denkt

Das werden jetzt viele von euch nicht glauben, aber so im richtigen, echten Leben bin ich oft ziemlich schüchtern und unsicher. Das Blöde daran ist, dass mir diese Schüchternheit nicht selten als Desinteresse oder gar Arroganz ausgelegt wird. Auf dem imaginären Schulhof des Lebens bin ich deswegen eher nicht bei den Cool Kids auf dem Raucherhof oder an der Tischtennisplatte zu finden.

Neue Kita, neues Glück

Lenis Kita wurde erst im vergangenen Herbst gegründet. Sie gehörte also zum ersten Schwung Kinder, die die neuen Räumlichkeiten mit Leben füllen durften. Wo neue Kitakinder sind, sind natürlich auch deren Eltern zu finden, meistens auf dem Flur wartend, beim An- oder Ausziehen des Sprösslings oder beim Windel- und Wechselsachen auffüllen. Möglichkeiten, sich zu begegnen gibt es also diverse. Viel mehr als ein nettes „Hallo“ oder „Schönen Tag noch!“ kommt mir trotzdem meistens nicht über die Lippen. Eher rede ich noch mit dem dazugehörigen Kind als mit dessen Eltern. Smalltalk fällt mir einfach unheimlich schwer und das hat so seine Konsequenzen.

Es hat nicht Zoom gemacht

Wir hatten außerhalb der Kita noch keine Playdates. Während andere sich auf dem Flur wieder mal verabreden, plane ich mit Leni unseren Nachmittag eher mit Jessy und Elli. Das liegt gar nicht daran, dass ich generell keine Lust auf andere Kitaeltern habe, aber bisher ist der Funke bei keinem so richtig übergesprungen. Viele sind ja auch schon versorgt, wieso sollten sie also von sich aus auf die junge Frau zu gehen, die meistens nicht viel mehr als ein nettes Lächeln für sie übrig hat?

Viele kennen sich wohl auch aus der Nachbarschaft oder der Kirchengemeinde, die die Initiative gegründet hat. Da wir mit dem Auto morgens immer noch 10 bis 15 Minuten zur Kita fahren müssen, fehlt uns dieser Zugang. Die Mama, die fast den gleichen Weg hat wie wir, ist selbst sehr schüchtern. Auch keine gute Kombination! Ich habe mich nicht mal getraut, sie auf meinen Verdacht hin aufs zweite Kind anzusprechen, mit dem sie vermeintlich schwanger ist. Irgendwann ist dann auch der Zug angefahren. Oder zerdenke ich das alles vielleicht viel zu sehr?

Elternsprecher-Fail

Kaum zu glauben eigentlich, dass ausgerechnet ich nun einer der U3-Elternsprecher bin! Ich wollte dem einen sehr engagierten Papa gerne etwas unter die Arme greifen, nachdem meine Vorgängerin spontan die Kita gewechselt hat. Der Plan ging leider bis jetzt ziemlich in die Hose. Da Gero oft spät arbeitet, schaffe ich es fast nie zu den Besprechungen und habe demnach in den Mails grundsätzlich das Gefühl sowieso nie etwas mitzubekommen und nicht zum oh so besonderen Kreis der besser informierten Elternsprecher zu gehören.

Bis jetzt habe ich mich nur bei der Mitorganisation des Spendenlaufes nützlich machen können. Und das klingt auch schon nach mehr als es eigentlich war. Besagter engagierter Papa hat mich an dem Tag gerade mal so gegrüßt und während viele der Eltern lockere Gespräche führten, waren Gero, Leni und ich irgendwie unter uns. Anscheinend strahlen wir nichts Einladendes den anderen Eltern gegenüber aus, was ich mir nicht allein mit meiner zurückhaltenden Art erklären kann.

Natürlich ist das kein Muss, dass man der Allstar unter den Kitaeltern ist. Es gibt ja auch kein Bonusheft für Playdates. Trotzdem fänd ich es manchmal schön, wenn die Situation eine andere wäre. Beim nächsten Elternabend versuche ich irgendwie (wie???) offener zu wirken, wenn ich denn dieses Mal hingehen kann…

Post Scriptum

Während in meiner Schulhofanalogie die anderen Eltern die Schüler sind, entsprechen die Erzieher meinem Empfinden nach den Lehrern. Und obwohl ich in der Schule immer ein tolles Verhältnis zu den meisten Lehrern hatte (einige Schüler nannten mich Lehrerliebling, was ich im Übrigen überhaupt nichts Schlimmes finde), machen mich aktuell sogar Gespräche mit den Erziehern manchmal nervös.

Sophie, du bist 28 Jahre alt, verheiratet, hast ein Kind und schreibst in deiner Email-Signatur du bist Redaktionsleiterin – KOMM MAL KLAR!

Mehr Mehr Mehr...

3 Kommentare

  • Antworten
    Lia
    11. Mai 2018 at 21:25

    Oh ich fühl so mit dir. Geht mir aktuell nicht anders und ich hab das Gefühl nicht so recht Anschluss zu finden. Aber ich nehm das so hin wie es ist und freu mich über zufällig spontane und ungezwungene Kontakte (die mal mehr mal weniger) im Alltag mit Kind(ern) passieren.
    Würdest du hier um die Ecke wohnen könnten wir uns gegenseitig schüchtern zuwinken 😉
    Alles Liebe für dich!

  • Antworten
    Laura
    12. Mai 2018 at 18:08

    Oh man, echt super zusammengefasst. Gelungene Analogie. Ich bin noch nicht einmal in der Kita (als Mutter), sondern gerade erst mal auf dem Spielplatz und es fühlt sich an wie GNTM mit mir als Außenseiterin und ner Menge Zuschauer. Und ich bin knapp 10 Jahre älter als du 😳. Ich habe mal versucht, zu verstehen, was das eigentlich ist. Es heißt doch immer, Menschen seien Rudeltiere. Nun wohl nicht Großstädter zwischen 27 und 37. Die haben alle schon genug Freunde. Oder Style oder likes oder was auch immer die Währung sein mag. Früher in der Pubertät brauchte man wohl diese Art von Ab- und Ausgrenzung, um sich selbst zu finden. Ich verstehe nicht, warum diese Sportart heute noch so unerbitterlich betrieben wird.

    • Antworten
      Sophie
      20. Juli 2018 at 19:31

      Laura, ich habe deinen Kommentar leider übersehen! Sorry, dafür! Danke für deinen leider etwas melancholischen Beitrag zu dieser verzwickten Geschichte.

    Mein Kommentar