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Schnullerfee for president: So unglaublich verlief unser Nuckel-Entzug

Mein Name ist Laura und mein Sohn ist ein Suchti. So habe ich mir das immer vorgestellt. Ich in einem Kreis anderer verzweifelter Mütter und Väter, deren Kinder trotz Volljährigkeit noch immer am Schnuller nuckeln. Denn mein Kind war wirklich süchtig danach. Mindestens zum Schlafen, immer wenn sich die Laune verdunkelte und gerne auch so mal zwischendurch wurde geschnullert was das Zeug hält. Mit genussvollen Geräuschen und einem Ausdruck im Gesicht als hätte man gerade einem verdurstenden Wüstenwanderer ein Schluck Wasser gegeben. Er liebte seinen Nuckel. Oder wie er ihn aus unerfindlichen Gründen nannte: Koka. Carl und sein Koka – ein fest verwachsenes Team.

Kinder- und Zahnarzt rieten: “Bis zum dritten Geburtstag sollte der Schnuller weg sein.” Gut, ist noch lange hin, war mein erster Gedanke. Doch der Tag rückte näher und ich sah nicht, dass er sich in naher Zukunft freiwillig von seinem Kautschuk-Accessoire trennen würde. Es gab zwischendurch mal eine Phase, da brauchte er ihn wirklich nur noch zum Schlafen. In der Kita konnte er schon längst ohne. Doch dann kamen Umzug und ein neues Baby in die Familie und sein treuer Begleiter musste wieder öfter herhalten. Ratzfatz waren wir zu alten Mustern zurückgekehrt. Wir werden nie den Absprung schaffen, war meine feste Befürchtung. Und wenn, dann nur mit Tränen, Terror und schlaflosen Nächten.

Auf in den Schnuller-Blitzkrieg

Eines Abends saß ich mit Mann und Weißwein am Küchentisch und sprachen über das von uns sonst gerne ignorierte Thema. Die Causa Koka kam auf den Tisch und auf einmal waren wir uns einig. Wir machen das jetzt. Es wird von allein nicht besser. Wir müssen das in die Hand nehmen und unserem Kind bei der Trennung helfen. Ein langes Feiertagswochenende lag vor uns, alle waren gesund und der Sohn hatte gerade eine Trotz-Pause. Nichts sprach gegen das Projekt Schnuller-Entzug. Es sollte ein kalter werden. Weg mit dem Ding. Mein Mann und ich sprachen uns Mut zu und stießen ängstlich mit unseren Gläsern an. Wir sahen den kommenden Tagen mit Furcht entgegen. Wir wussten, dass wir das richtige tun, aber waren uns auch klar darüber, dass es Kämpfe, Tränen und Nervenzusammenbrüche geben würde.

Am nächsten Morgen erzählten wir Carl dann am Frühstückstisch von unserem überraschenden Plan. Wir schoben natürlich der Schnullerfee den schwarzen Peter zu, die noch am selben Vormittag seine geliebten Kokas abholen würde. Erste Überraschung: das Kind war begeistert. Schließlich hatte er die Aussicht auf ein Geschenk. Und auch das spielerische Zusammensammeln der Nuckel in der gesamten Wohnung machte ihm Spaß. Wir fädelten die Sauger auf ein Band und machten uns auf den Weg.

Ein letzter, tiefer Zug am „Koka“

Adieu du treuer Tröster

In Berlin und sicherlich auch in anderen Städten gibt es “echte” Schnullerbäume. Hier kann man mit dem Kind hinfahren und seinen Nuckel neben Hunderte andere hängen. Wir wählten einfach einen Baum am anderen Ende des Kiezes aus, zu dem wir hinspazierten. Feierlich hängte der Sohn seine Kette an den Baum und verabschiedete sich. Dann ging es zum Spielplatz und mein Mann schlich sich heimlich wieder zurück und entfernte die Trophäe. Auf dem Rückweg gingen wir dann alle wieder hier vorbei und stellten fest, dass die Schnullerfee wohl schon da gewesen sein muss. Alle Schnuller weg! Der kleine Mann war zutiefst beeindruckt.

Es folgt die erste Herausforderung: Mittagsschlaf ohne Schnuller. Und die Erkenntnis: ist viel einfacher als gedacht! Er fragte nicht mal nach seinem Koka und schlief nach dem Vorlesen einfach so ein. Abends wiederholte sich dieses für mich völlig unfassbare Schauspiel. Die Nacht war ebenfalls gut. Er wurde ein Mal leicht wach. Sonst hätte er sich in dieser Situation sicherlich einfach den Schnuller genommen und weitergeratzt. Nun musste Papa her und ein paar Minuten beruhigend über den Rücken streichen. Kann man mit leben.

Happy Schnullerfrei to you!

Am nächsten Morgen wartete dann die Belohnung am Frühstückstisch. Ein großes Müllauto für den Jungen. Strahlende Kinderaugen wie an Weihnachten für die Eltern. Schön das alles. Warum nochmal haben wir das nicht eher gemacht?

Neue große Liebe: Das Müllauto.

Noch immer waren wir skeptisch und warteten auf den großen Knall. Doch es lief das ganze Wochenende perfekt. Er fragte an den zwei folgenden Abenden zwar nach seinem Nuckel, aber verstand jedes Mal unsere Erklärung. “Der ist weg, weißt du doch. Dafür hast du jetzt dieses rattenscharfe Müllauto!” Ach ja.

Wie es weiterging

Die ganze Aktion liegt nun etwa einen Monat zurück und es gab tatsächlich nie einen Rückfall. Unfassbar. Aber wahrscheinlich war das klare „Der Schnuller ist jetzt weg“ für das Kind viel einfacher zu verstehen als das vorher probierte „Es gibt ihn nur zum Einschlafen. Oder wenn du sehr quengelig bist. Oder wenn du sehr müde bist.“. Auch für uns Eltern war die Jetzt-ist-er-weg-und-es-gibt-kein-zurück-Variante klarer und damit einfacher. Keine Diskussionen, kein Überlegen, eine klare Handlungsanweisung für alle.

Bei uns hat diese Methode astrein funktioniert. Wie war das denn bei euch? Schnullern eure Kinder überhaupt oder haben sie vielleicht auch schon den Absprung geschafft? 

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4 Kommentare

  • Antworten
    Paula
    21. Juni 2018 at 12:10

    Ich möchte mir das bookmarken für die Zeit wenn ich mal Kinder habe 🙂 Super geschrieben!

    • Antworten
      Laura
      21. Juni 2018 at 13:47

      Haha, da bist du aber top vorbereitet! Danke dir!

  • Antworten
    Wiebke
    21. Juni 2018 at 14:43

    Meine Tochter war auch schnullersüchtig. Ohne Möller? Ohne Merle! Eines Abends dann der Horror. Wir fanden keinen. Nicht in der Jackentasche, nicht unterm Bett, nicht in der Kuscheltierkiste. Nirgendwo. Wir machten uns auf eine lange Nacht gefasst. Und was dann geschah ist eigentlich wirklich unglaublich. Es hat sie nicht die Bohne interessiert. Sie ist einfach eingeschlafen, kein Nachfragen, kein nichts. Wochenlang nicht. Irgendwann hat sie dann einen in ihrem Zimmer gefunden, stolz präsentiert, aber ohne Theater sofort ausgehändigt.
    Genauso ging’s bei uns auch mit dem „Abstillen“. Ich war zur Bettgehzeit an zwei Tagen in Folge unterwegs und danach hat sie nie wieder gefragt.

    • Antworten
      Laura
      21. Juni 2018 at 20:22

      Toll! Wie wir Eltern uns manchmal ’ne Platte machen, dabei interessieren sich die Kids schon längst nicht mehr dafür 🙂

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