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„Meins!“ – Wie ich gerade (versuche) als Mama (zu) wachse(n)

„Meine Mama!“, ist eine der schönsten Sachen, die Leni gerade so von sich gibt. Wenn sie mich in den Arm nimmt und diese beiden Wörter sagt, schmelze ich dahin. Wenn „Meins!“ aber in einem anderen Kontext fällt, werde ich eher zum Eisklotz.

Alles meine Schuld?

Diese Kinder, die alles für sich behalten wollen und nichts abgeben, fand ich schon immer schrecklich. Jetzt ist meins auch eins. Oh Gott, was habe ich nur falsch gemacht, habe ich mich anfänglich schockiert gefragt. Ich versuche doch immer sie zu einem freundlichen, offenen und sozialen Wesen zu erziehen…

Natürlich hat das rein gar nichts damit zu tun, wie oft ich ihr bisher immer wieder versucht habe zu vermitteln, dass nicht alles ihr gehört und dass sie es wenn doch ruhig teilen kann. Es ist auch nicht ihre Wesensart. Es ist eine ganz normale Phase, die Kinder in diesem Alter eben durchmachen.

Am Anfang fiel es mir wie gesagt gar nicht so einfach, das zu akzeptieren. So richtig sympathisch ist es schließlich nicht, wenn dein Kind alles fest an sich presst und auch Dinge, die ihr gar nicht gehören als ihr Eigentum deklariert, wenn du auf dem Spielplatz dein Kind anhand der „Meins!“-Rufe orten kannst.

Mamasein muss man auch erst mal lernen

Statt mich also weiter darüber zu wundern und zu ärgern, versuche ich an mir selbst zu arbeiten und auf Leni einzugehen. Statt „Leni wir teilen“ sage ich seit heute „Ja, das gehört dir, aber wenn du möchtest, kannst du es gern teilen.“ Jede neue Entwicklung bedeutet eben auch wieder eine unbekannte Herausforderung für mich als Mama, eine Situation, in der ich noch nie war und eine Reaktion, die vorher höchstens theoretisch schon mal durchgespielt wurde, sich aber im Praxistest auch mal als ganz falsch herausstellen kann.

Oft scheitere ich dabei zuerst an meiner Ungeduld, meiner kurzen Lunte, wie man auch so schön sagen kann. Das ist aber mein Fehler, nicht Lenis. Gerade wenn es um Wutausbrüche geht, die entweder dadurch ausgelöst werden, dass es den heiß begehrten Schnulli nicht gibt oder dass ich sie nicht eine komplette Wegstrecke tragen kann und möchte, lasse ich mich in Nullkommanichts aus der Ruhe bringen.

Tricks zur Konfliktlösung

So wichtig, wie es für mich ist, für Leni da zu sein und ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse zu verstehen, so wichtig ist es mir aber auch, mich dafür nicht in jeder Situation hinten anzustellen. Deswegen lief die Rakete auch heute wieder einige Meter quengelnd hinter mir her, als ich sie tobend auf dem Weg vom Spielplatz nach hause auf dem Boden hab sitzen lassen, statt sie auf den Arm zu nehmen. Dann fiel mir ein guter Kompromiss ein: „Guck mal, bis zu der Ampel da hinten läufst du und dann trage ich dich, okay? Schaffst du das?“ Zack, der Schalter wurde umgelegt und Lenis Bedürfnis zu zeigen wie groß sie ist und was sie schon kann spielte mir in die Karten. Als sie dann noch ein ganzes Stück weiter als bis zur Ampel lief und dann wieder Tränen kullerten, habe ich mein Versprechen natürlich eingelöst.

Der Trick mit dem „Sicher, dass du das schaffst?“ funktioniert aktuell übrigens auch bestens beim Essen. „Boah, ist das ein großes Stück Brokkoli! Kriegst du das denn hin?“ Und schon blitzen Lenis Augen, die Gabel wandert in den Mund und ich applaudiere und staune als hätte sie gerade ein Gedicht rezitiert.

Liebe. Immer.

Ihr merkt schon, hier ist es eher laut als leise. Es ist eher emotional als entspannt. Es ist eher turbulent als geordnet. Aber dafür singt mir Leni auch Medleys ihrer Lieblingslieder vor, hilft mir beim Spülmaschine ausräumen, lacht sich kringelig, wenn wir verstecken spielen und kuschelt mit mir. Bislang war meine Tochter eher wenig verschmust, doch das hat sich komplett geändert. Sie möchte von sich aus kuscheln und sagt das genau so. Sie lehnt beim gemeinsamen Kuchen essen auf dem Spielplatz (wir haben Ferien, wir dürfen das!) ihren Kopf an meinen Arm und legt ihre Hand in meine.

Ich glaube, das bedeutet, dass sie merkt, dass ich zwar nicht immer alles richtig mache, aber dass ich es versuche. Dass ich mir Mühe für sie gebe und sie über alles auf der ganzen Welt liebe. Meins!

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