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TEAM NO SLEEP: So wird Schlaflosigkeit viel weniger schlimm

Ich liebe Schlaf. Ich gehe gerne früh ins Bett und schlafe morgens trotzdem lange aus. Dann ein ausgiebiges Frühstück und danach erstmal ein Nickerchen. So sahen in der kinderlosen Vergangenheit meine liebsten Wochenenden aus. Dann wurde ich Mutter. Voll schön und so. Aber mein Schlaf. Wo ist denn bitte mein Schlaf?

Als hätte mir einer mit der Bratpfanne vor den Kopf gehauen, mich einmal kopfüber in der Luft hängend geschüttelt und anschließend unter eine überdimensionale Käseglocke gesetzt. So fühlte ich mich in den ersten Wochen meiner Mutterschaft mit Baby Nummer 1. Ich rede von Schlaflosigkeit. Von Müdigkeit. Von Erschöpftheit. Ich las alles rund um Schlaf und Babys und versuchte mich an den üblichen Tricks (Routinen, Regelmäßigkeit, Rolladen runter). Mit Erfolg. Mit sechs Monaten schlief der große Kleine durch und tut es seither. Das wollte ich mit Baby 2 natürlich auch so machen. Klappt leider nicht. Gar nicht. Ich bin wach. Jede Nacht. Mindestens einmal, meist zweimal, manchmal drei oder vier Mal. Und die größte Überraschung ist: Ich finde das gar nicht schlimm!

Stop the Selbstmitleid

Weil ganz ehrlich: das Schlimmste am Nicht-schlafen-können, ist es doch der Gedanke, dass man aber doch gefälligst schlafen muss und 8 Stunden am Stück einfach essentiell sind. Mit dieser Gewissheit macht einen die Schlaflosigkeit doch noch viel mehr fertig. “Oh nein, er ist schon wieder wach. Warum ist er denn schon wieder wach?”, dieser Gedanke war oft der erste, den ich hatte wenn mich das liebliche Babygebrüll aus meinen Träumen riss. “Wie schrecklich, jetzt ist mein Tag morgen doch gelaufen.” Überall steht es, alle sagen es, also muss es mir mit meinen maximal 4 Stunden Schlaf am Stück doch so furchtbar, furchtbar, furchtbar gehen.

Der Schlafforscher Kenneth Lichtenstein vertritt die Meinung, dass die angenommene Schlaflosigkeits-Identität eines der größten Probleme der Schlaflosen ist. In einem Paper erklärt er, dass Schlaflose, die von sich sagen, dass sie unfassbar schlecht schlafen, viel häufiger mit Depressionen, Angststörungen und Blutdruckproblemen zu kämpfen haben als jene, die zwar schlecht schlafen, aber diesen Umstand einfach annehmen. Und das lässt sich doch auch auf die anfangs erwähnte Müdigkeits-Bratpfanne übertragen. Es ist der alte Trick: Sag dir das Leben ist schön, dann wird es das auch. Stell dir nicht vor, dass du unter der Käseglocke sitzt und du fühlst dich auch nicht so.

Was fest steht: Wird schon.

Ich sage nicht, dass man sich nicht beschweren darf. Klar, darf man das. Und man darf auch müde sein und erschöpft und nicht mehr können. Das kommt vor. Aber manchmal hilft es, den “Ich-lache-also-gehts-mir-gut”-Trick auszuprobieren. Und darauf zu vertrauen, dass sich das schon ändern wird irgendwann. Vielleicht nicht morgen oder nächsten Monat vielleicht auch noch nicht nächstes Jahr. Aber irgendwann auf jeden Fall.

Diese Haltung habe ich mit Kind 2 ganz automatisch angenommen – und es funktioniert. “Und, schläft er schon durch?”, fragen mich die Leute. Bei Kind 1 hat mich diese Frage anfangs fast zum Weinen gebracht. Jetzt sage ich: “Nein, aber macht nix.” Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber: Schlaf ist vielleicht tatsächlich etwas überbewertet.

Foto: Privat

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