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Das Bonnie Strange Debakel und warum Mombashing echt zum Kotzen ist

Ich muss gestehen, bei den meisten Artikelthemen, die ich aktuell auf meiner Liste stehen habe, fällt mir der Einstieg irgendwie schwer, aber es gibt ein Thema, das mir keine Ruhe lässt und zu dem ich jetzt wirklich mal meine Meinung loswerden muss!

Es geht um Bonnie Strange. Wer kennt sie nicht? Das Model lebt seit einigen Wochen auf Ibiza – mit ihrem kleinen Baby. Goldie Venus wurde am 21. Mai geboren, mit dem Vater ist Bonnie, nachdem er sie betrogen hat, nicht mehr zusammen. Seit sie ihre Tochter zur Welt gebracht hat und damit begonnen hat, ab und zu winzige Einblicke in ihren Alltag mit Baby zu geben, steht sie unter Beschuss. Glaubt man den Kommentaren, macht Bonnie wirklich alles falsch, was man falsch machen kann.

 

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Der größte und jüngste Aufreger: Bonnie feierte mit Freunden zu lauter Musik an ihrem Pool. Wo da das Problem ist? Ja…äh… Achso! Bonnie ist doch jetzt Mutter. Da kann die sowas doch nicht machen. Dass es tatsächlich Menschen gibt, die glauben, das Baby würde quasi neben dem Lautsprecher schlafen oder unter den Gästen umhergereicht werden, bringt mich schon fast zum Lachen. Come on, Leute!

Bonnie ließ den Shitstorm nicht unkommentiert und war sogar noch so nett zu erklären, dass Goldie eine Woche Ferien bei Omi macht. In dieser Zeit ist das Model nicht nur am Party machen gewesen, nein, sie geht auch seit Längerem schon wieder ihrem Job nach. Gerade als allein erziehende Mutter, muss das Geld ja schließlich irgendwo herkommen und vielleicht hat sie sich auch einfach entschieden, mehr als nur Mutter sein zu wollen.

Und ich glaube, an dieser Stelle sind wir beim Knackpunkt angekommen. Ist eine Mutter nur wirklich gut, wenn sie all ihre Zeit mit ihrem Kind verbringt? Meine Meinung dazu: nein. Definitiv nein. Denn was zählt ist doch, dass egal wie viel Zeit es ist, dass diese mit Liebe gefüllt wird.

Auch ich gebe Leni ab und zu mal zu meiner Mama. Meistens übers Wochenende, als Kitaschließzeit war, war Leni aber auch zum ersten Mal sechs Tage nicht zuhause – mit 21 Monaten. Neulich hatte meine Mama Urlaub und hat sich gewünscht, ein paar Tage mit ihrer Enkelin zu verbringen. Wer bin ich denn, dazu nein zu sagen? Einer Oma, die Leni jede Woche besucht, sie von der Kita abholt und sie unendlich liebt, ein paar schöne Tage abzuschlagen? Denn sein Kind „wegzugeben“ bedeutet ja nicht nur, Zeit für sich selbst zu haben, sondern eben auch anderen Menschen schöne Tage oder Stunden mit ihm zu schenken und den Aufbau einer innigen Verbindung zu ermöglichen.

Oft ist es ja auch so, dass es Kindern, die erst spät und sehr selten woanders übernachten viel schwerer fällt, weil sie die Situation eben gar nicht kennen. Und so können eigentlich schöne Übernachtungen bei Cousinen beispielsweise auch mal darin enden, dass Papa nachts kommen muss. (Real Life Experience)

Wenn Leni winkend im Auto meiner Mutter aus unserer Straße abbiegt, habe ich immer einen Kloß im Hals. Ich frage jeden Tag nach, wie sie geschlafen hat, ob sie gut gegessen hat, was sie erlebt haben. Nur weil sie nicht physisch bei mir ist, heißt das ja nicht, dass ich plötzlich egoistisch und selbstzentriert bin. Aber gerade das wird Bonnie unter anderem vorgeworfen. Und da ich selbst Mama bin, kann ich mir vorstellen, wie verletzend das sein muss. Da sagt ja nicht einfach nur jemand, dass sie früher geiler aussah. Da greift eine fremde Person das an, was ihr am allerwichtigsten ist. Bislang hat niemand an meiner Liebe zu Leni gezweifelt, nur weil sie ab und zu mal bei ihrer Oma schläft, aber wenn uns gegenseitig im Streit mal Dinge rausrutschen, die man eigentlich gar nicht so meint, dann bohren die sich tief ins Herz.

Ich habe auch schon oft Nachrichten von Mamas bekommen, dass sie ein schlechtes Gewissen hätten und ihr Kind deswegen nicht abgeben können. Und das macht mich regelrecht wütend. Es macht mich wütend, dass ihnen offensichtlich vermittelt wurde, dass das nicht okay ist. Liebst du dein Kind weniger, weil es eine Nacht bei Oma war? Würdest du es einer Person anvertrauen, der du nicht vertraust? Wird dein Kind darunter leiden, von der Familie verwöhnt zu werden, Ausflüge zu machen und neue Dinge kennenzulernen? Nein, nein und nochmals nein! Ich möchte euch alle bitten, euch von Schuldgefühlen frei zu machen. Schafft Raum für euch und für die Entfaltung eures Kindes, für andere Beziehungen, schöne Erinnerungen und für eure eigene Ausgeglichenheit.

Nutzt die freie Zeit, für was immer ihr wollt. Putzt in Ruhe die Wohnung, tanzt zu lauter Musik in der Küche, geht mit eurem Partner essen, habt Sex, geht zum Sport, schlaft durch, schlaft aus, tankt Kraft und haltet an euch selbst fest. Mama zu sein bedeutet nicht die komplette Selbstaufgabe. Das verlangen eure Kinder gar nicht von euch, glaubt mir. Statt immer immer da zu sein und manchmal zu glauben, ihr würdet das alles nicht schaffen, schafft euch Raum zum Durchatmen und seid danach noch lustiger und kreativer und geduldiger mit euren Kids.

Wahrscheinlich ist das Problem im Fall Bonnie, dass sie nur sehr wenig von Goldie zeigt. Man kann nicht sehen, wie sie mit ihr umgeht, wie sie sie liebevoll ins Bett bringt oder sich über ein fröhliches Glucksen freut. Dann kämen bei den argwöhnischen Miesepetern womöglich weniger Zweifel an Bonnies Mamaqualitäten auf. Und eigentlich ist das doch auch etwas Gutes oder nicht? Statt ihr Kind jeden Tag in die Kamera zu halten, was ja auch wieder Anlass zu Kritik wäre, widmet sie sich Goldie und zeigt dann stattdessen Eindrücke aus ihrem Job oder von lustigen Abenden mit Freunden. Sie dann dafür abzustrafen, finde ich unfair und oberflächlich.

Wenn wir so weitermachen, kann das doch nichts werden mit dem Mama sein, man selbst bleiben. Instagram ist immer nur ein Ausschnitt, der niemals das ganze Bild zeigt. Bevor man also einfach unreflektiert drauf los schießt, sollte man überlegen, welche Informationen einem vielleicht fehlen. Ob man Fragen hat oder wertvolle Hinweise geben kann. Es muss auch dann nicht immer ein öffentlicher Kommentar sein, sondern kann auch als Privatnachricht artikuliert werden.

Wir alle haben Gefühle. Wir Mamas neigen tendenziell ja sogar dazu noch emotionaler als andere Menschen zu sein. Geht behutsam damit um, denn ein paar blöde Kommentare können schon dafür sorgen, dass eine frisch gebackene Mutter an sich zweifelt und eine andere zwei Jahre lang keinen Abend auswärts mit dem Liebsten verbracht hat. Ich möchte viel lieber in einer Gesellschaft leben, die alle liebenden Mütter unterstützt, in der wir uns gegenseitig supporten und helfen, ohne belehrend oder verletzend zu sein.

Freut euch für die Instamom, die gerade zum ersten Mal seit Ewigkeiten beim Frisör war, statt zu fragen, wo das Kind in der Zeit war.

Fragt nach wie das tolle Restaurant der Datenight hieß, statt euch darüber zu echauffieren, dass das ja jetzt schon der zweite kinderfreie Abend diesen Monat für Frau X war.

Seid füreinander da. Macht euch Mut. Lasst euch Raum.

 

 

 

Foto: Unsplash/Sandrachile

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2 Kommentare

  • Antworten
    Anne
    20. September 2018 at 13:30

    Danke! Es tut gut so etwas zu lesen.

  • Antworten
    Clarissa
    26. September 2018 at 15:35

    Danke für diesen Artikel. Immer wieder schön zu lesen, dass man nicht allein ist mit diesem „lifestyle“ <3

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