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Zweites Kind: Das mit dem Spaziergang nehme ich zurück

Wenn ein Bergsteiger den Mount Everest besteigt, kommen ihm die ersten Kilometer auch vor wie ein Spaziergang. Klar, er weiß, das wird bestimmt noch richtig, richtig hart und anstrengend, aber im Moment ist die Steigung überschaubar, das Wetter ist gut und die Wanderschuhe haben noch keine Druckstellen hinterlassen. In dieser Phase war ich auch etwa als ich diesen Text schrieb. Das mit dem zweiten Kind sei doch ein Klacks, verkündete ich dort. Einen guten Marsch später muss ich dazu jedoch sagen: naja, irgendwie nicht.

Seit Kind 2 ein halbes Jahr ist, haben sich die Dinge hier noch einmal verändert. Und ich habe mich auch verändert. Die nicht enden wollenden schlaflosen Nächte machten mich nun langsam doch dünnhäutig. Gleichzeitig will sich das Baby unbedingt ganz viel bewegen, obwohl es doch bisher immer ganz zufrieden irgendwo rumlag. Ach ja und dann ist da noch Kind 1. Im Trotzalter. Es ist alles machbar, aber den eigentlich oberdämlichen Spruch “Ein Kind ist kein Kind” kann ich nun doch manchmal verstehen.

Einer schreit immer

Wenn ein Kind gut schläft, tut es das andere nicht. Wenn ein Kind gut drauf ist, ist es das andere nicht. Wenn ein Kind die Windel voll hat und man es wickelt, muss das andere genau in dem Moment unheimlich und unaufschiebbar auf die Toilette und schafft es nicht alleine hoch auf die Schüssel. Wenn das eine Kind gerade eingeschlafen ist, platzt das andere ins Zimmer und brüllt: “Hier kommt die Feuerwehr! Tatüüütataaaa!”

Wenn ein Kind nach der Kita so müde ist, dass es nur noch quengelt und weint, nimmt sich das andere ein Beispiel daran und stimmt mit ein in den Klagegesang. Wenn das eine Kind die erste Erkältung der zweiten Jahreshälfte mit nach Hause bringt, niest auch das andere Kind spätestens am nächsten Tag. Wenn das eine Kind nicht im Kinderwagen liegen mag und nur noch die Trage akzeptiert, will das andere auch nur noch “Arm! Arm! Aaaarm!”.

Gipfelstürmer gegen den Wind

Hat man ein Kind, kann man das gut schaffen. Hat man zwei auch. Weil man muss ja. Noch ein oberdämlicher Spruch: “Hilft ja nix!” stimmt, getoppt wird er nur noch von “Augen zu und durch”. Und dann sind da ja auch die Momente des großen, großen Glücks. Das ist nämlich der Vorteil einer Mutter gegenüber eines Bergsteigers.

Letzterer hat am Ende EINEN Berg bestiegen und kann unheimlich stolz auf seine Leistungen sein, als Mama erklimmt man jedoch gleich eine Vielzahl von Bergen. Wenn meine kleinen Jungs kuscheln und sich fast ein bisschen verknallt ansehen, wenn ich mit schlafendem Baby in der Trage und zufriedenem Kleinkind im Buggy einen Latte schlürfe und wenn ich es abends geschafft habe, beide Kinder ins Bett zu bringen: Dann habe ich an nur einem Tag das ganze Himalaya Gebirge bezwungen.

Bild: Unsplash

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