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MOMFAIL #2: Verstecken ohne Spiel

Keine Mutter ist perfekt. Wir schon gar nicht. An dieser Stelle sammeln wir in unregelmäßigen Abständen unsere schlimm-schönsten Momfails.

Beim Abgeben des Kindes in der Kita gibt es hin und wieder Schwierigkeiten. Vor allem nach dem Wochenende, aber manchmal auch einfach so aus heiterem Himmel. Plötzliche Komplikationen am durchgetakteten Morgen. Dabei ist im familiären Ablaufplan zwischen dem Weg zur Kita und dem Weg zur Arbeit nicht viel Zeit vorgesehen. Die Idealvorstellung ist so: Jacke aus, Hausschuhe an, Abschiedskuss und weg. Das klappt nicht immer. Manchmal drehe ich dem Kind gerade den Rücken zu, um den Gruppenraum zu verlassen, als ein klagendes “Neiiin, Mamaaaa!” ertönt.

Momfail bahnt sich an

Es ist eh schon immer ein paar Grad zu warm in unserer Kita. Nach diesen Worten bilden sich bei mir diese kleinen glitzernden Schweißperlen an den Schläfen, die oft wegen plötzlicher Hitze entstehen. Oder wegen Stress. Oder wegen beidem. Das eben noch vergnügte Kind ist innerhalb weniger Sekunden zu einem bemitleidenswerten Häufchen Elend herab geschrumpft. Alleingelassen von der Mutter kauert es am Boden. Natürlich lese ich es auf.

Andere Kinder werden nun rücksichtslos in meinen nun startenden perfiden Plan einbezogen. Das Kind muss möglichst schnell von den Vorteilen der Kita überzeugt werden. Also rufe ich begeistert: “Guck mal Noah hat ein neues Buch mit, boah!”, “Tanja schält Äpfel, wie lecker!” und an seine kindliche Wettlust appellierend: “Ich wette du kannst einen höheren Turm bauen als Lenni” (Eventuell raune ich ihm auch noch ein: “Wie das wohl knallt, wenn der zusammenbricht?” zu). Wenn er es nun vor lauter Vorfreude nicht mehr schafft, sich weiter an mein Bein zu klammern und davon dölmert, um sich von der Stabilität von Lennis Turm zu überzeugen, nutze ich meine Chance.

Den Rückzug antreten

Ich murmele ein: “Tschüss mein Schatz” (schließlich soll man NIE NIE NIE ohne Verabschiedung gehen), das selbst ich kaum höre und schleiche davon. Kaum bin ich außer Sichtweite halte ich noch kurz inne. Kein Schreien. Dann gehe ich schnellen Schrittes davon. Man könnte es auch Laufen nennen. Bis hierhin ein eher durchschnittlicher Momfail.

Doch heute früh stellte ich im Treppenhaus fest, dass mein Mantel noch im Vorraum der Gruppe hing (ihr erinnert euch an die Schweißperlen?). Der Vorraum ist ein Raum mit kleinen Haken und Fächern. Er grenzt direkt an den Gruppenraum, in dem sich die Kinder die meiste Zeit aufhalten. Hier lauert Gefahr. In Form meines eigenen Kindes.

Schlimmer geht immer

Das Kind könnte schließlich just in dem Moment, in dem ich ihn betrete ebenfalls die Tür zum Raum öffnen. Ich hechtete an diesem Morgen also zu meinem Mantel, schnappte ihn mir und wollte gerade ebenso ungalant wieder herausspringen, als genau dieser worste Case von allen eintrat. Das Kind, mein Kind, betritt nichtsahnend den Raum.

Ich tue also, was ich tun muss: Ich halte mir meinen Mantel vors Gesicht. Ein stehender Mantel in der Kita-Garderobe scheint das Kind nicht zu irritieren. Es nimmt sich sein Buch, blickt kurz den Steh-Mantel mit den Füßen an und läuft zurück in den Gruppenraum. Die Mutter die nahtlos anschließend zur Eingangstür mit ihrem Kind hereinkommt, findet den Anblick nicht ganz so unirritierend. Verwundert blickt sie mich an. “Morgen”, sage ich, meine eigentlich “Auf Nimmerwiedersehen” und haue ab. Laufend.

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