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Tür auf, Licht an! Wenn plötzlich die Angst Einzug hält

Was habe ich mich immer glücklich geschätzt, dass Einschlafen bei Leni an den meisten Abenden nie ein Problem dargestellt hat. Ja, die Nächte waren und sind leider auch aktuell euphemistisch ausgedrückt durchwachsen, aber immerhin war das Hinlegen nie ein großer Akt. War!

Unser Abendritual früher

Bislang sah unser allabendliches Ritual wie folgt aus:

18:00 Uhr Abendbrot essen.

18:30 Uhr bettfertig machen – Zähne putzen, frische Windel, Schlafanzug an.

Dann habe ich entweder ein paar Bücher vorgelesen oder wir haben zusammen bei uns im großen Bett noch genetflixt. Meistens „Meine Freundin Connie“, „Oona und Babas Insel“ oder die gute alte „Peppa Wutz“.

Anschließend habe ich Leni mit Schnuffeltuch, Schnuller und Wasserflasche in ihr Bett gelegt, den Vorhang zugezogen und die Tonie Box angemacht. Wir haben noch ein „Gute Nacht, ich hab‘ dich lieb“ ausgetauscht, Tür zu, Ruhe.

Tja, das ist jetzt vorbei!

Unser Abendritual jetzt

Die Veränderung kam schleichend. Zuerst wollte Leni nicht mehr in kompletter Dunkelheit schlafen. Kein Problem, das ließ sich leicht lösen: Nachtlicht an und gut.

Als Nächstes sollte die Tür nicht mehr geschlossen werden. Schon nicht mehr ganz so easy – zumindest anfangs in meinem Kopf. Ich hatte das Gefühl, mich nicht frei und normal bewegen zu können, weil Leni so eventuell nicht einschlafen würde. Nach ein paar Tagen mit diesem neuen Modell kann ich aber sagen: je natürlicher wir uns verhalten – also nicht darauf achten, besonders leise zu sein  – desto besser schläft Leni. Auch wenn wir die Tür jetzt schon seit circa zwei Wochen grundsätzlich geöffnet lassen, bittet Leni jeden Abend: „Nicht Tür zu, nicht Tür zu!“ Und jeden Abend antworten wir: „Nein, Spatz, die Tür bleibt doch jetzt immer offen.“

Meine Theorie ist, dass meine Tochter gerade entdeckt, was Angst ist. Dadurch, dass sie mit ihren zwei Jahren und vier Monaten mittlerweile viel mehr wahrnimmt und lernt Dinge unterschiedlich einzuordnen, kann sie nun auch eine eigene Haltung dazu entwickeln. Während „Nick und der Wal“ immer eine ihrer Lieblingsgeschichten war und sie auch dem spannenden Nachfolger „Nick und das Meer“ aufgeregt gelauscht hat, musste ich die Geschichte wieder vom Kreativ-Tonie löschen – „Nicht der Wal!“ Tagelang hatte sie erst Angst, als ich sie gefragt habe, ob ich die Tonie Box anmachen soll und dass, obwohl ich ihr sogar gezeigt habe, wie ich die gruselige Walgeschichte gelöscht habe. Manchmal erzählt sie mir sogar, in ihrem Zimmer wären ein Fuchs oder ein Wolf oder wacht mitten in der Nacht schreiend auf.

Veränderungen sind nicht immer schlecht

Am Anfang war es natürlich eine Umstellung für uns. „Wo kommt das her?“ „Och manno, es war doch immer so schön easy“. So ein Quatsch! Jetzt ist es ja gar nicht schwieriger. Man muss sich eben nur darauf einstellen, die Ängste des Kindes ernst nehmen und versuchen der sichere Hafen zu sein. Wir haben ja auch manchmal Angst. Selbst ich wache oft auf und bin panisch vor Angst, weil ich denke, es würde jemand im Schlafzimmer stehen. Ich träume die wildesten und oft aufreibendsten Träume. Auch ich habe Angst allein im Dunkeln, hatte ich schon als Kind. Wie schön ist es dann, jemanden zu haben, der einen in den Arm nimmt und da ist. Der das Licht anlässt und auch die Tür geöffnet hält. Zu dem man läuft, egal wie groß und gemein die Monster der Nacht sind.

Bild: Unsplash/Andrew Neel

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