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Experiment Schnullerhase – So lief unser Abschied vom Nuckel

Meine Tochter ist jetzt 2,5 Jahre alt. Den Schnuller hat sie schon sehr lange nur noch zum Schlafen – nachts und mittags – genommen. Und so habe ich mir Anfang des Jahres überlegt, dass wir uns doch jetzt einfach komplett von ihm verabschieden könnten. Empfohlen wird ja eh bis zum dritten Lebensjahr damit aufzuhören, um den Kiefer zu schonen.

Der Akt an sich hatte also eine lange Vorlaufzeit. Ich wollte Leni so gut es ging auf das, was passieren sollte, vorbereiten. Also habe ich ihr schon vor gut acht Wochen das erste Mal erzählt, was dieses Jahr an Ostern passieren würde.

Die passende Geschichte

Der Osterhhase sammelt nämlich jedes Jahr die Schnuller der großen Kinder für die Babys ein. Dafür darf man sich dann auch ein Geschenk aussuchen, das er als Dankeschön und Belohnung da lässt. Dieser Gedanke kam grundsätzlich gut an. Auch das Geschenk war schnell überlegt: ein Feuerwehrauto, ein großes!

Immer wieder habe ich das Thema erwähnt und versucht es so verständlich und logisch wie möglich für Leni zu machen. Zwei Wochen vor Ostern hatte ich dann noch eine spontane Idee, wie man dem Ganzen noch etwas mehr Leben einhauchen könnte. „Du, wir müssen ja noch Möhren für den Osterhasen kaufen! Erinnerst du mich daran?“ Die Augen leuchteten. Als würde sie das vergessen! Leni hat so die Möglichkeit bekommen, aktiv an dem Prozess teilzuhaben.

Am letzten Kitatag haben wir natürlich auch noch den Kitaschnuller eingesammelt und in eine kleine Dose gelegt. Wenn schon, denn schon.

Der (nicht ganz so passende) Zeitpunkt

Der Mythos war perfekt, das Timing nicht. Ich wollte den Abschied unbedingt zuhause durchführen, wo Leni sich am sichersten fühlt. Laut unserem Plan übernachteten wir aber von Samstag auf Sonntag bei meiner Mama. Gut, dann eben von Ostersonntag auf Ostermontag! Tja, konnte ja niemand damit rechnen, dass das Kind sich spontan wünscht, noch eine Nacht allein bei Oma zu schlafen und wir allein zurück nach Berlin fahren würden.

Nachdem ich es aber so lange angekündigt hatte, wollte ich es jetzt auch durchziehen. Die Möhren waren mittlerweile ordentlich angeschrumpelt und der Abend mit Lagerfeuer und Grillen im Hof ganz schön aufregend für’s Töchterchen. Im Pyjama trug Leni dann einen Korb vor die Wohnungstür, legte erst die Möhren und dann alle Schnuller, die ich finden konnte hinein. Zu guter Letzt gab ich ihr ein Glas Wasser für den Osterhasen mit.

Auch wenn die Aktion anfänglich noch Spaß machte, schlug die Stimmung um, als Leni sich verabschieden sollte. „Darf ich EINEN behalten?“ „Nein, der Osterhase nimmt alle Schnuller mit oder keinen.“ Und so fing das große Trösten an. Mit neuem Osterkuscheltier und Schnuffeltuch wechselten wir in die Kuschelecke und ich habe eine extralange Geschichte vorgelesen. Ich bin am Bett geblieben bis die Äuglein zu fielen. Der Mund schnullerte aus Gewohnheit ein bisschen vor sich hin und ich habe mich rausgeschlichen. Der Korb tauschte seinen Platz vor der Tür mit dem Feuerwehrauto und das Glas Wasser wurde „leer getrunken“.

Die Reaktion

Irgendwann in der Nacht habe ich Leni dann zu uns rüber geholt, als sie aufgewacht ist und wir haben zu dritt bei uns ganz gut geschlafen. Morgens in der Kita habe ich die Erzieherinnen gebrieft, die Leni direkt abgefeiert haben. Beim Abholen hat Leni dann grinsend erzählt, dass sie doch noch einen Schnuller irgendwo gefunden hat und die Erzieherin hat versprochen, am nächsten Tag wirklich alle wegzuräumen.

Am Abend hat Leni einmal kurz nachgefragt und beim ins Bett legen auch kurz geweint. Der Struggle fühlte sich für mich aber schon viel weniger schlimm und das ins Bett bringen kürzer an als am Abend zuvor. Bis zehn Uhr war sie noch etwas unruhig, aber dann: kein Mucks mehr! Als Gero morgens ganz verwundert “ Wo ist sie denn?“, fragte, habe ich kurz gelacht und „na sie schläft!“ erwidert.

Noch ist nicht aller Tage Abend, aber ich bin super stolz auf mein Kind. Dass sie so kurz nach dem Abschied ab und zu nachfragt und auch noch abends weint, finde ich ganz normal. Der Schnuller war ihr wichtig, klar, dass sie die Gefühle irgendwie verarbeiten muss.

Das ist nur unser Weg gewesen, keine fertige Anleitung mit Erfolgsgarantie. Ob man es nun an Ostern, Weihnachten oder zwischendurch mit der Schnullerfee, dem Schnullerbaum, etc. macht – am wichtigsten ist meiner Meinung nach eine liebe- und verständnisvolle Begleitung durch die Situation.

Update: Nacht drei lief wie Nacht zwei. Am Morgen hatte Leni aber leider einen zwanzigminütigen Zusammenbruch, von dem sie sich kaum beruhigen konnte. Mich fand sie ganz besonders doof. Nur Papa durfte an sie ran.

Bild: Unsplash/MaggieLovesOrbit

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