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Warum es so genial ist, dass dänische Eltern Bier statt Latte Macchiato trinken

Hygge kann ich nicht mehr hören, aber die Tiefenentspanntheit der Dänen hat es mir spätestens nach unserem Kopenhagen-Trip so richtig angetan. Vor allem in die Einstellung der jungen, stylischen Eltern bin ich regelrecht verknallt. Diese relaxte Art mit ihrer Elternschaft umzugehen hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt. Eine Begegnung in Nørrebro wurde für mich zum Sinnbild dafür, was in Kopenhagen besser läuft als in Berlin.

Im Brus in Kopenhagen gibt es einen Stammtisch für Mamas und Paps in Elternzeit.

Nørrebro gilt als das Kreuzberg von Kopenhagen. Natürlich ist es eigentlich ganz anders, aber eben jung und angesagt. Überall gibt es tolle Cafés, wunderschöne Läden und hübsche Menschen. Als wir die Brauerei und Bar “Brus” ansteuerten, war schon von außen zu sehen, dass hier gerade etwas ganz Besonderes passiert. Das Brus ist ein Brewpub, der sich in einer alten Lagerhalle befindet. Noch beeindruckender als das Gebäude selbst war allerdings die imposante Anzahl der Kinderwagen davor. Bestimmt 15 bis 20 Modelle waren hier geparkt. Die waren nicht nur nicht angeschlossen, sondern in dem ein oder anderen lag sogar noch ein Baby.

Prost, Elternzeit!

Als wir den Laden dann betraten, wurde klar, wem die Wagen-Armada gehört. An etlichen Tischen saßen hier Mütter und Väter. Einige stillten, alle quatschen ausgelassen und jeder trank ein kleines Gläschen frischgezapftes Bier. Es war total unverkrampft und ausgelassen. Während ich mich und mein Baby in meiner Elternzeit von einem Familienzentrum zum nächsten Stilltreff geschoben habe, gehen die Däninnen und Dänen in eine Bar. Wow.

Nach kurzer Recherche fand ich heraus, was dort passierte. Das Ganze ist tatsächlich wie ein wöchentlich stattfindender Stammtisch für Mütter UND Väter in Elternzeit. Die Veranstaltung nennt sich Barselsbar. Ich habe keine richtige Übersetzung dafür gefunden, aber Barsel heißt auf dänisch „Geburt“ und „Bar“ – na? naa? naaaaa? – genau. Auf der Seite des zugehörigen Facebookevents wird dazu aufgefordert, die Babyblase platzen zu lassen und sich alle Getränke mit 10% Rabatt schmecken zu lassen. Toll, oder?

Mittendrin, statt nicht mehr dabei

Es geht mir dabei keinesfalls um den Alkohol, sondern um die Symbolkraft des Settings. Stillende Mütter, Väter in Elternzeit, kinderlose Hipster nehmen selbstverständlich nebeneinander Platz. In einer Location, die nicht speziell für Eltern gedacht ist, damit sie mit ihren Kindern auch ja niemandem auf den Wecker gehen. Das Ganze war so normal und organisch, dass einem als frischgebackene Mutter womöglich gar nicht die Idee kommt, dass man jetzt vielleicht ein anderes Leben lebt. In dem Teil der Gesellschaft nämlich, die Kinder hat. Alle Teile werden gemischt, Grenzen lösen sich auf und Hürden so automatisch überwunden.

Nur Friede, Freude, Eierkuchen ist das Elternsein natürlich weder in Dänemark noch irgendwo anders. Auch hier gibt es entzündete Brustwarzen, schlaflose Nächte und Dreimonatskoliken. Aber ein bisschen mehr Miteinander und Teilnahme am gesellschaftlichen Treiben tut Mütter- und Väterköpfen gut und sorgt so eben einfach für mehr Spaß an diesem Elternding. Und eine Prise mehr Spaß und Unverkrampftheit ist genau das, was mir hierzulande bei den Angeboten für Eltern manchmal so fehlt.

Bilder: Privat

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1 Kommentar

  • Antworten
    ND
    13. Mai 2019 at 20:02

    Hach die Dänen! Prost und gut auf den Punkt gebracht 👌

  • Mein Kommentar

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