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Sprachförderung im Alltag

Vorab: Ich bin keine Pädagogin und das, was ich persönlich mache, hat keine Gelinggarantie.

Mir wird oft gesagt, dass Leni besonders gut spricht. Von der Familie, von Followern, selbst von den Erziehern in der Kita, die das sicher am besten einschätzen können. Bei der U-Untersuchung konnte ich alle Wörter auf dem A4-Blatt ankreuzen. Auch ich habe bemerkt, dass mein Kind eine offensichtliche Sprachbegabung hat. Das ist einfach eine ehrliche Feststellung, kein Angeben. Dafür sind andere Kinder beispielsweise motorisch sicherer.

Ich glaube, teilweise hat Leni eine Veranlagung dazu – bei den Eltern kein Wunder – teilweise liegt es aber auch daran, dass ich Leni aktiv versuche zu fördern. Ich habe Wissen (unter anderem durch mein Studium der Anglistik/Amerikanistik und der Kommunikationswissenschaft), warum sollte ich es nicht anwenden und mit meinem Kind teilen? Meistens passiert das nebenbei und ganz natürlich, deswegen hoffe ich, dass ich es schaffe, ein paar Punkte für euch zu formulieren.

Babysprache vermeiden

Dieser Punkt ist recht selbsterklärend. Ich bin mir gerade nicht einmal sicher, wie Babysprache eigentlich geht, denn ich habe von Anfang an „echte“ Wörter benutzt, wenn ich mit meinem Baby kommuniziert habe. Klar, die Intonation ist natürlich eine andere, wenn du völlig verknallt mit deinem Neugeborenen redest, aber ich habe nie Dinge wie „hassu Hungi?“ zu Leni gesagt. Mal ganz abgesehen davon, dass kein Kind so korrekt eine Sprache lernen kann, macht es einen als Mutter sicher auch irgendwann gaga im Kopf.

Abläufe kommentieren, Gesehenes beschreiben und erklären

Meine Mama und meine Oma haben mir diesen Tipp von Anfang an mitgegeben: Rede mit deinem Kind. Ja, auch mit deinem Baby. Und das habe ich gemacht. Ich habe kommentiert, was ich gerade gemacht habe („So, jetzt kochen wir mal dein Mittagessen.“), beschrieben, was ich gesehen habe („Man, das ist aber wieder ein schlechtes Wetter. Guck mal, wie die Regentropfen am Fenster herunter laufen.“) und ihr erklärt, warum ich Dinge mache („Heute hast du dich aber ordentlich eingesaut beim Abendessen. Jetzt bade ich dich mal, damit du wieder schön sauber bist, wenn du ins Bett gehst.“).

Ganz wichtig ist sich bewusst zu machen, dass Kinder uns verstehen, auch die kleinsten. Auch die Aufmerksamkeit, die wir ihnen widmen, indem wir sie direkt ansprechen ist wichtig. Stellt euch vor, ihr wärt mit eurem Partner zuhause und er würde euch vielleicht mal einen Kuss auf die Wange geben, aber den ganzen Tag nicht mit euch reden. Da würdet ihr euch sicher trotzdem ein wenig einsam und nicht beachtet fühlen.

Viele Mamas und Papas sind außerdem die meiste Zeit des Tages allein mit dem Kind, während der andere Elternteil arbeiten ist. Für mich war es auch gut, mich meinem Kind mitzuteilen und nicht den ganzen Tag nur über das Handy zu kommunizieren.

Neben den Erklärungen von Abläufen und dem Beschreiben habe ich Leni von Anfang an gesagt, wie Dinge heißen und oft auch schon die Farbe dazu gesagt. Kann ja nicht schaden. Wenn sie nach einem Ball gegriffen hat, habe ich gesagt: „Das ist ein BALL, der ist rot.“ In der Regel habe ich das Wort dann noch einmal alleine wiederholt.

Aussprache trainieren

Gerade in der aktuellen Phase kann Leni schon sehr viele Wörter. Oft weiß sie auch Begriffe, hat aber Probleme sie richtig auszusprechen oder mischt Wörter. Ich korrigiere sie dann und helfe ihr, das zu sagen, was sie sagen möchte. Ich suche dann nach einem Wort, das die Stolperstelle beinhaltet, das Leni aber richtig sagen kann oder übe den Laut einzeln mit ihr. Isoliert kann sie ihn meistens sehr schnell nachmachen.

Statt „Eichhörnchen“ hat Leni – wie sicher die meisten Kinder – zuerst „Einhörnchen“ gesagt. Also haben wir „ch“ geübt. Erst nur den Laut, dann „Eich“ und dann Eichhörnchen. Das nimmt nur wenige Sekunden in Anspruch – immer mal wieder.

Sätze üben

Nach einzelnen Wörtern kommen logischerweise die Sätze, erst kurze, dann längere. Ich habe versucht, wie oben bei den Begriffen schon erwähnt, die Wörter immer gleich in einen Satz/Kontext zu verpacken.

Aktuell, mit 2,5 Jahren, kann Leni auch in ganzen Sätzen reden. Ist aber manchmal zu faul. Dann fordern wir sie auf „Kannst du das bitte in einem ganzen Satz sagen?“ und sprechen eine Option vor, die sie sofort von sich aus nachspricht so gut sie es eben kann.

Klar, versteht man auch so, wenn das Kind „hoch!“ sagt, aber man kann sich auch die Zeit nehmen und eine Alternative anbieten „Frag doch: ‚Kann ich bitte auf deinen Schoß?‘ Das ist viel netter.“

Vorlesen

Von allen Punkten hier wahrscheinlich der banalste. Vorlesen ist einfach wirklich wichtig, mit Sprache überhaupt in Berührung kommen. Wörter zu entdecken, die Mama und Papa vielleicht nicht regelmäßig benutzen. Auch Bilderbücher zusammen anschauen und so viel wie möglich von dem, was man sieht zusammen beschreiben.

Medienauswahl

Und da wären wir auch direkt beim nächsten Thema. Wichtig ist meiner Meinung nach auch die Medienauswahl, also welche Bücher und Serien zeige ich meinem Kind. Ich persönlich finde nämlich, dass Serien nicht per se als Verdummung abgetan werden sollten. Man muss einfach die Serien finden, die dem persönlichen pädagogischen Anspruch entsprechen. Die Figuren sollten beispielsweise für mich in ganzen Sätzen reden – Ciao Teletubbies! – und toll ist, wenn die Kinder immer etwas dazu lernen können. Wörter rund um das Thema Bauernhof, die Namen von Instrumenten, dass man vorm Zahnarzt keine Angst haben muss, na ihr wisst schon.

Spaß haben

Das alles kommt bei uns spielerisch. Ich habe keinen Lehrplan oder setze Leni jeden Nachmittag eine halbe Stunde vor eine Tafel. Ich versuche alles gut vorzumachen und ihr Input anzubieten, wenn ich das Gefühl habe, dass sie dafür aufnahmefähig ist. Leni hat Spaß am Sprechen und ich merke, dass es für sie auch total befriedigend ist, sich richtig ausdrücken zu können. Das macht natürlich auch die Kommunikation innerhalb der Familie viel einfacher.

Apropos Spaß: Wisst ihr warum Leni bis 11 zählen kann? Weil ich lange jeden Tag Theater mit ihr hatte, wenn es darum ging, die Treppen zu unserer Wohnung alleine hoch zu gehen. Also habe ich mir was überlegt. Wir haben angefangen die Stufen zu zählen und das fand Leni super. Es hat sie von ihrem Trotz abgelenkt.

Wenn es dann an die Mathehausaufgaben geht, reiche ich den Staffelstab gerne weiter.

Bild: Unsplash / Diomari Madula

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