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Gute Väter sind kein Glück

Ich wusste immer irgendwie, dass ich Kinder haben wollte. Als ich mich in meinen Mann verliebte, wusste ich auch mit wem. Schmalz. Ist aber tatsächlich so. Von dem wollte ich Kinder. Das war mir klar. Und die kamen dann auch recht schnell. Mein Mann ist ein super Vater. Viele finden: Deswegen sollte ich mich glücklich schätzen. Das finde ich nicht.

Mein Mann, der Kümmerer

Als dann unser erster Sohn geboren wurde, war ich voller Liebe und Panik. Was mache ich hier? Wie geht das alles? Oh Gott. Also stillte ich, versuchte zu schlafen, wenn das Kind schlief und betrachtete diesen neuen Menschen stundenlang verknallt und verwundert. Während ich so allmählich klar kam, kümmerte sich der frischgebackene Papa um all den Rest. Kinderarzt suchen, bei Kitas anrufen, Windeln kaufen und wechseln, das Abendessen planen, den sichersten Kindersitz ausfindig machen und so viel mehr.

Kümmern lag schon immer in seiner Natur. Das kam mir schon oft zugute und nun profitierte unsere neue, kleine Familie davon. Was für ein Glück! Doch ist es das wirklich? Von Anfang an wurden er und auch ich dafür von allen Seiten gelobt. So ein engagierter Vater! Als er mit dem zweimonatigen Baby alleine das Geburtstagskaffeetrinken eines Freundes besuchte, war von allen Seiten die erste Frage: “Wo ist denn die Mama?”, hinterhergeschoben wurde dann: “Wie toll, dass du ihr diese Auszeit gönnst!”.

Kinder sind ein großes Glück – Väter auch?

Manchmal wusste ich nicht genau, welche Windelgröße unser Kind gerade hat. Die Organisation des Wickeltischs war anfangs vor allem sein Metier. Einige meiner Mama-Bekanntschaften waren darüber geschockt. Ich hingegen war geschockt, wie viele von ihnen ihre Kinder großzogen als seien sie alleinerziehend.  “Du hast echt Glück, dass dein Partner dir so viel abnimmt.” Da war es schon wieder. Dieses Glück.

So sehr ich meinen Mann liebe, wurde mir mehr und mehr bewusst, dass es nicht mein Glück ist, dass er sich unseren Kindern gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Niemand würde je zu einem Mann sagen: “Wow, du hast eine Frau, die deine Kinder füttert und badet! Respekt!” Von Frauen wird es einfach erwartet zu lieben und zu geben und zu beschützen und die Kinder jede Woche zum Musikkurs zu begleiten. Wenn Männer am Wochenende für eine oder zwei Stunden alleine mit dem Kind ins Puppentheater gehen, rechtfertigt das Applaus und eine “Best Daddy ever”-Tasse.

Sonderstatus Gleichberechtigung

Komischerweise ist diese antiquierte Doppelmoral noch immer aktuell. Selbst im modernen Berlin. Von Müttern wird erwartet, dass sie alles gleichzeitig perfekt machen. Die Gesellschaft findet Mütter, die viel arbeiten herzlos und Mütter, die lange mit dem Kind zu Hause bleiben gluckenhaft. Der Trick ist es, darauf einen feuchten Furz zu geben und seine eigene Balance zu finden.

Manchmal konzentriere ich mich voll auf meine Karriere und manchmal auf meine Kinder. Und so macht es mein Mann auch. Dass er mich mal ablöst, weil ich etwas Dringendes zu erledigen habe oder auch mal, weil ich einfach nicht mehr kann, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Ich finde: Jeder, der in einer Partnerschaft mit Kindern lebt, verdient genau das.

Glück im Glück

Ich finde, dass ich den tollsten Ehemann und besten Papa für meine Kinder gefunden habe. Aber ich betrachte es nicht als besonderes Glück, dass er für unsere Söhne genauso da ist, wie ich es bin. Ich finde es normal, dass er mit unserem Sohn jede Woche zum Kinderschwimmen geht und stundenlang mit den Kids auf dem Spielplatz abhängt.

Wenn ein Kind mal schlecht schläft und unruhig ist, legt er sich ungefragt die ganze Nacht vor das Kinderbett. Wenn ein Kind mal krank ist, geht er nicht ins Büro. Wenn ein Kind mal anhänglich ist, trägt er es stundenlang durch die Wohnung. Ich liebe ihn dafür und finde das toll – aber ich erwarte es auch von ihm. Genau wie er es von mir erwartet. Ich schätze mich nicht deswegen besonders glücklich, weil mein Mann das alles für unsere Kinder tut. Ich schätze uns beide besonderes glücklich, weil wir diese tollen Kinder haben.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Christiane
    6. Juni 2019 at 19:59

    Freu mich sehr für euch. Jetzt hab ich nur noch eine frage: wenn euch gleichberechtigung (natürlich, zum glück) so sehr wichtig ist, warum hast du dann nach der heirat deinen namen abgegeben und seinen angenommen? Warum machen das frauen heutzutage noch so? Das ist in meinen augen ganz und gar nicht emanzipiert. Finde ich. LG

    • Antworten
      Laura
      20. Juni 2019 at 11:11

      Liebe Christiane, danke für deinen Kommentar. Ich glaube da spielen ganz viele Gründe mit rein, die für mich überhaupt nichts mit dem Thema Gleichberechtigung zu tun haben. Wie in allen Belangen, versuche ich die Dinge nicht radikal zu sehen, schwarz oder weiß, sondern die Nuancen dazwischen zu erkennen. Dass ich meinem Ehemann in allen Lebenslagen auf Augenhöhe begegne, ist für mich wichtig. Ein gemeinsamer Familienname gibt unserem Gefüge, in dem wir hier leben, einen Titel, der sich für mich sehr gut und richtig anfühlt. Liebe Grüße, Laura

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