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Korsika mit Kind – Eine Woche Cap Corse

Die ersten Maschinen Urlaubswäsche sind schon wieder gewaschen. Zeit, meine Eindrücke und vor allem Tipps mit euch zu teilen, denn Eins steht fest: Korsika is the place to be! Sieben Tage auf der Mittelmeerinsel haben mich sofort zum Fan gemacht. Von der wunderschönen und abwechslungsreichen Natur, über das angenehme Wetter, die netten Menschen, das leckere Essen und die kleinen Städtchen hat mich einfach alles mit sehr viel Glück erfüllt.

Von Berlin Tegel konnten wir in rund zwei Stunden direkt nach Bastia bzw. Poretta fliegen, wo wir uns einen Mietwagen geliehen haben (ein Muss!) und zu unserem Hotel nach Erbalunga aufgebrochen sind. Eine Fahrt von rund zwanzig bis dreißig Minuten.

Unsere Base: Hotel Castel Brando in Erbalunga

Das Hotel habe ich nach einiger Recherche online gefunden und mich sofort verliebt. Für unseren ersten richtigen Urlaub zu dritt sollte es etwas besonders Schönes sein. Mir gefiel der charmante aber dennoch simple Look. Da mich die Art der Buchung über das Vergleichsportal sehr verwirrt hat (Mit Kind sollte man ein extra Zimmer dazu buchen. Hö?), habe ich direkt das Hotel angeschrieben. Das werde ich in Zukunft immer so machen. Der Preis war dann nämlich tatsächlich günstiger und ich hatte einen direkten Ansprechpartner.

Das Hotel Castel Brando ist eine perfekte Wohlfühloase.

Das Castel Brando ist kein deklariertes Familienhotel, aber super gut auf Gäste mit Kindern eingestellt und man hat nie das Gefühl zu stören. Es gibt zwei Pools und sogar einen kleinen Whirlpool zum aufwärmen. Mann kann auch direkt im Hotel E-Räder mit Kindersitz leihen. Sie haben Reisebetten und Hochstühle.

Wir haben jeden Tag im Hotel gefrühstückt und die familiäre Atmosphäre genossen, wenn man sich beim frischen Orangensaft pressen morgens am Buffet getroffen hat. Pancakes und Eier wurden frisch nach Wunsch zubereitet. Pro Person hat das jeweils 15 Euro am Tag gekostet.

Im Innenhof gibt es Frühstück, frische Mandeln und mit etwas Glück Live-Musik.

Auch im Restaurant des Hotels waren wir Stammgäste, denn das Essen war ausgesprochen gut, der Innenhof mit Palmen und Olivenbaum einfach urgemütlich und unser Zimmer war im Notfall nur eine Treppe entfernt. Mit Leni super praktisch!

Erbalunga

Vom Hotel aus ist man in 30 Sekunden an der Boulangerie gegenüber und beim Supermarkt und in einer Minute im kleinen Zentrum mit verschiedenen Restaurants. Wir haben jedes ausprobiert. Besonders lecker und nett waren A Piazetta und Ind E Noi.

Noms, Fritto Misto im A Piazetta.

Ins hoch gelobte Le Pirate direkt am Wasser haben wir es irgendwie nichts geschafft, was zum Teil auch an Lenis launischer Art lag, die man auf einem offenen Platz ganz gut regeln kann, in einem schicken Restaurant aber einfach nur Stress bedeutet.

Die Wolken- und Nebelformationen an den Bergen sind ein echtes Schauspiel.

Auch wenn Erbalunga klein ist, haben wir immer wieder neue Wege und Gassen entdeckt. Der alte Genueserturm und der Minihafen sind die offensichtlichen Highlights im Ort. Mir persönlich gefiel es direkt am Wasser etwas ab vom Zentrum am besten. Mit Leni barfuß über die warmen Steine zu laufen, zu klettern, Krebse in kleinen Pfützen zu suchen oder Steine ins Wasser zu werfen. Von einigen Stellen kommt man auch super zum Baden ins unfassbar klare, blaue Meer. Einen Sandstrand habe ich nicht vermisst.

Das Wetter Anfang Juni war perfekt: fast durchgängig Sonnenschein und nie zu heiß.

Tagesausflüge

Bei der Planung vorab habe ich uns einige mögliche Ziele rausgesucht. Dabei war mir wichtig, dass wir nicht den ganzen Tag im Auto sitzen und so waren anderthalb bis zwei Stunden meine Obergrenze für eine Strecke.

I’m on a boat – or not…

Nur Sonntags gibt es einen Tagesausflug mit dem Boot auf die Insel Caprai. Leider wurde Leni dank der kurvigen D80 auf dem Weg zum Hafen in Macinaggio schlecht und wir verpassten die Abfahrt. Wer möchte kann aber auch kürzere Trips per Boot ums Cap machen. Wir haben uns dagegen entschieden.

Badegumpe bei Asco

Ich wollte unbedingt eine dieser berühmten Badegumpen ausprobieren, also Teich ähnliche Flussstellen, in denen man baden kann. Im Norden gibt es davon nicht ganz so viele, aber die Fahrt bis nach Asco fand ich okay für einen Tagestrip, zumal es hier auch noch eine tolle alte Brücke zu sehen geben sollte.

Das Ascotal erlebt man hautnah bei der Fahrt zur Gumpe.

Der Weg die Berge hoch war schon atemberaubend, so mitten im Gebirge. Das muss man als Beifahrer aber auch abkönnen, denn die Straßen schlängeln sich wilder und enger als so manche Schlange. Asco hat zwei kleine Cafés, in denen man nach der aufregenden Fahrt an Schluchten entlang erst mal verschnaufen (und auf die Toilette gehen) kann. Hier kann man auch den selbst produzierten Berghonig kaufen. Haben wir gemacht, als Mitbringsel.

Die Wegbeschreibung zur Gumpe, die ich online gefunden habe, hat uns leider gar nicht weitergeholfen. Man sollte im Dorf parken und an einer Kirche links runter gehen. Welche Kirche? Also fragte ich den netten und sehr hilfsbereiten Mitarbeiter des Cafés, der diese Frage wahrscheinlich schon zwanzig mal zuvor an diesem Morgen beantwortet hat, nach dem Weg. Zum Laufen sei es mit Kleinkind zu weit, riet er und beschrieb uns den Weg mit dem Auto, mit dem man bis auf wenige Meter direkt zur Brücke fahren kann. Natürlich haben wir uns einmal verfahren, weil wir die krasse Abbiegung nach unten zum Fluss fast gar nicht wahrgenommen haben. Zum Glück haben wir es doch noch gefunden, denn: O M G!!! Diese Brücke mit den Bergen und dem glasklaren (aber auch arschkalten) Wasser lassen mich immer noch ganz dümmlich vor mich hin grinsen. Wenn ihr im Norden seid, fahrt da hin!

Wer mutig ist, springt ins klare aber ebenso kalte Wasser.

Wir hatten übrigens keine der empfohlenen Badeschuhe dabei, sondern sind einfach barfuß durch den Fluss gelaufen. Das ging auch super. Leni haben wir getragen.

Man kann den Fluss mit etwas Vorsicht gut zu Fuß überqueren.

Barcaggio

Barcaggio war ein eher zufälliges Ziel. Wir wollten das Cap erkunden und ich habe einfach den nördlichsten Ort herausgesucht, zu dem man mit dem Auto fahren kann. Während wir uns nach Asco eher hoch kämpfen mussten, ging es zu dem kleinen Küstenort bergab. Auch eine Strecke, die es in sich hat, aber man wird definitiv für die Herzaussetzer belohnt!

Direkt am Wasser, rechts im Ort, gibt es einen großen Parkplatz mit einem Imbiss, von dem aus man schon den Strand sehen kann – samt Kühen! Das war natürlich das erste Highlight für uns und vor allem auch für’s Kind.

Diese Girls sonnen sich auch gern am Strand.

Wir haben uns aber erst einmal links vom Parkplatz gehalten und eine wunderschöne Zeit am felsigen kleinen Strand verbracht, an dem es flach ins Wasser geht und von wo man einen sagenhaften Blick auf eine kleine Insel mit Leuchtturm hat. Dort waren wir bis auf wenige Minuten mit einem älteren Ehepaar komplett allein.

Neue Lieblingsbeschäftigung: Spaziergänge über Felsen.

Anschließend wollten wir noch zur anderen Seite des „richtigen“ Strandes laufen. Dafür haben wir erst einmal eine kleine Kuhwanderung abgewartet, denn die Herde hat gemeinschaftlich beschlossen, über den Parkplatz woanders hin zu ziehen. Vorher haben allerdings mehrere Kühe noch schöne Flatschen in genau das Wasser fallen lassen, durch das wir waten mussten, um auf die andere Seite zu kommen. Augen zu und durch!

Nach einigen Minuten gelangt man zu einem Strand mit Volleyballnetz und Liegen, an dem sich die größere Action abspielt. Wir sind allerdings weiter bis zum Zipfel der Landzunge gelaufen und haben einfach die Aussicht genossen. Wenn man nicht zu spät kommt, so wie wir, kann man sicher auch noch weiter zum Genueserturm laufen, der sich hinter einigen Hügeln versteckt.

St. Florent

Auf unserer Liste standen außerdem der Küstenort St. Florent auf der anderen Seite des Caps und der Strand von Saleccia, an dem man sich den Bildern zu Folge wie in der Karibik fühlen muss.

St. Florent hat einen Hafen, eine alte Zitadelle und süße kleine Gassen mit einigen schönen Läden und vielen Restaurants. Wir fanden es am Place Doria mit dem kleinen Brunnen und einem großen Schatten spendenden Baum angenehm zum Verweilen. Wer shoppen will muss einfach nur die Route Neuve entlang laufen.

Der Froschbrunnen in St. Florent ist perfekt für eine kleine Abkühlung.

Mit dem Auto wollten wir nun weiter Richtung Traumstrand. Laut Navigation sollte man mit dem Auto in die Nähe kommen. Nunja… nicht mit unserem kleinen Mietwagen. Es war eine Ruckelpiste sondergleichen mit Schlaglöchern so groß wie Leni. Nach einigen Minuten und wenigen hundert Metern finden wir an zu zweifeln, ob wir so nicht das Auto schrotten und dann bestätigte uns ein Korse, dass wir auf keinen Fall weiter fahren sollten. Bevor es runter auf den Feldweg geht, kann man auch Quads und Jeeps mieten, das war uns mit Leni dann aber nichts.

Theoretisch hat man die Möglichkeit mit einem Bootsschuttle zum Strand zu gelangen. Das wussten wir vorher aber nicht und als wir wieder zurück in St. Florent waren, hatte das letzte Boot des Tages bereits abgelegt. Dass ich das nicht vorher wusste, weil es nirgendwo während meiner Strandrecherche aufgetaucht war, hat mich dann auch ein bisschen verärgert und so steht Saleccia für den nächsten Korsika-Trip ganz weit oben auf der Prio-Liste!

Bastia

Da wir erst abends geflogen sind, haben wir den letzten Tag in Bastia verbracht, von wo es dann nur noch 20 Minuten Fahrt zum Flughafen waren. Bastia macht Barcelona als meiner Lieblingsstadt ordentlich Konkurrenz. Ich liebe einen gewissen Grad an Abgeranztheit. Ich finde, das hat einen besonderen Charme. Die Gassen sind schmal, es gibt unzählige Treppen, Wäsche hängt zwischen den Häusern, die Menschen arrangieren sich kleine Gärten aus Blumentöpfen. Hier schreit nichts Modernisierung. Stattdessen liegt ein Zauber der Vergangenheit über der Stadt.

Oh Bastia, du schöne, abgerockte Stadt.

Wir haben oben an der Zitadelle in der Rue du Colle geparkt und sind dann ein bisschen auf dem Boulevard Paoli bummeln gegangen. Hier gibt es einen meiner Lieblingsläden: Claudie Pierlot und einen für den Muttigeldbeutel sehr gefährlichen Kinder Concept Store, in dem wir sehr viel Zeit verbracht haben.

Ein schöner kleiner Platz mit Cafés und Restaurants ist der Place du Marché. Von dort sind wir noch einmal hoch und in die Zitadelle gelaufen, von der man einen schönen Blick über den Hafen und die Altstadt hat.

Good To Know

  • Weder Gero noch ich sprechen Französisch. Das war gar kein Problem! Alle waren freundlich und hilfsbereit.
  • Gegen Mittag und am frühen Nachmittag haben viele Geschäfte geschlossen. Meistens öffnen sie gegen 15 Uhr wieder ihre Türen.
  • Für Leni waren die vielen Kurven zwei, drei Mal ein Problem und sie musste sich übergeben. Es gibt aber immer wieder Ausbuchtungen, an denen man anhalten und Pause machen kann.
  • Sandstrände gibt es am Cap nicht wirklich. Hier ist es eher felsig und steinig. Ich fand das gar nicht schlimm. Das Wasser hat alles wett gemacht. Die sandigeren Strände sind überdeckt mit getrockneten Algen (Massen!), deswegen sind sie nicht wirklich schön zum Verweilen. Wer einen „echten“ Strandtag machen möchte, ist auf der anderen Seite des Caps bei St. Florent und Calvi besser aufgehoben.
  • Der Flughafen in Bastia ist sehr klein. Wir hatten sehr lange Warteschlangen und waren froh, dass wir uns entschlossen hatten, etwas früher loszufahren. Die Sanitäranlagen sind hier leider ziemlich runtergekommen. Einen Wickeltisch konnten wir nicht finden.

Das war nicht der letzte Korsikaurlaub!

Mist, jetzt endet der Artikel mit alten Toiletten, dabei wollte ich euch doch vermitteln, wie schön diese Insel ist, von der wir in den sieben Tagen nur einen Bruchteil gesehen haben. Die Natur hat mich nachhaltig beeindruckt und ich bin selbst zu einer kleinen Abenteurerin geworden. Dafür muss man nicht zwangsläufig eine Trecking-Ausrüstung haben.

Ein Urlaub, der alle Familienmitglieder glücklich gemacht hat.

Wer eine Alternative zu Mallorca sucht, der wird Korsika lieben. Ach, alle anderen auch! Ich möchte auf jeden Fall noch mal in den Süden, nach Bonifacio. Am liebsten bald. Im August. Haha.

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