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Meine 3 Learnings aus dem wichtigsten Erziehungsratgeber des Jahres

Ich bin kein großer Fan von Ratgeberbüchern zum Thema Erziehung. Von Vorschriften und Handlungsanleitungen von fremden Menschen halte ich nicht viel. Umso weniger wenn es dabei um die Beziehung zu meinem Kind geht. Zum Glück gibt es auch immer mehr Bücher, die das Thema Familie und Elternsein thematisieren ohne den Zeigefinger auszupacken.

Eins davon ist das vor wenigen Wochen auf Englisch erschienene Buch “The Book You Wish Your Parents Had Read (and Your Children Will be Glad That You Did)” von Psychologie-Guru Philippa Perry. Sie ist so schlau und sagt so wahre Sachen, die mich mitten ins Mama-Herz getroffen haben.

1. Eine kleine Formulierung macht den großen Unterschied

Ein Vorschlag von ihr ist es, nicht Dinge zu sagen, mit denen man das Kind definiert, sondern von sich selbst auszugehen. Statt “Bitte wasch deine Hände, die sind total schmutzig” besser sagen: “Bitte wasch deine Hände, mich stört es, wenn du zu Hause mit ungewaschenen Händen herumläufst.” Das kann man auf super viele Situationen anwenden und macht so viel Sinn. Man kann so mit dem Kind auf eine viel angenehmere Art  und Weise kommunizieren und es ist dadurch deutlich kooperativer. 

Noch einleuchtender wird das, wenn man es auf eine Situation mit einem anderen Mitmenschen überträgt: Wenn man zu spät zur Arbeit kommt und der Kollege sagt: “Komm bitte künftig pünktlich, immer bist du zu spät.” fühlt man sich stark kritisiert und vielleicht sogar eingeschüchtert. Vielleicht wird man aus Angst sein Verhalten ändern oder aus einer Art Trotz das nächste Mal wieder unpünktlich sein. Sagt der Kollege “Mich stört es, wenn du nicht pünktlich bist, weil es sich für mich total blöd anfühlt, mich nicht auf dich verlassen zu können” ist das viel verständlicher, man selbst wird nicht stigmatisiert und versucht auf die Bedürfnisse des anderen künftig einzugehen.

2. Schimpfen aus Angst vor den eigenen Gefühlen 

In stressigen Situationen kommt es vor, dass ich überreagiere. Ich schimpfe dann schon einmal oder werde strenger, als es in der Situation vielleicht erforderlich gewesen wäre. Sich selbst zu beherrschen fällt mir dann manchmal schwer. Genau das sollte allerdings immer das Ziel sein. Perry weiß: Unsere Reaktionen als Eltern sind oft sehr eng mit Situationen aus unserer eigenen Kindheit verknüpft.

Kinder erinnern Eltern an ihre eigene Kindheit und triggern dadurch unbewusst wunde Punkte in ihnen. Es ist jetzt die Aufgabe der Eltern, diese Reaktionen zu reflektieren und zu analysieren. Irre schwierig ist das, aber macht man es nicht,  gibt man diese negativen Gefühle oder Erlebnisse an das Kind weiter. So genau weiß man oft nicht, wo die Gefühle herkommen. Gerade deswegen sollten wir in uns hineinhorchen, anstatt auf Emotionen, die wir nicht verstehen, zu reagieren. Das ist besonders schwer, weil wir gelernt haben, uns auf diese Art gegen das zu wehren, was wir selbst als Kind gefühlt haben. Das Verhalten des Kindes triggert bei uns die Gefühle, die wir als Kind hatten. Das kann Wut sein oder auch Neid oder Einsamkeit. Die antrainierte Abwehr dagegen sollten wir unbendingt versuchen zu durchbrechen.

3. Man darf mit seinen Kindern befreundet sein

“Man muss Eltern für die Kinder sein, nicht deren Freund!” Solche Sätze habe ich schon oft gehört und gelesen. Perry findet das Quatsch und ich war so erleichtert über diese Aussage. Ich würde sagen, dass ich selbst ein freundschaftliches Verhältnis zu meinen Eltern habe, was ich als immenses Glück und eine Bereicherung empfinde. Das bedeutet nämlich nicht, dass es keine Regeln oder Grenzen gibt. Die gibt es schließlich auch in jeder Freundschaft. Dem Kind ein Freund zu sein, heißt es zu respektieren, ihm auf Augenhöhe zu begegnen und immer zu versuchen Verständnis für seine Emotionen aufzubringen.

Perry geht übrigens so weit zu sagen, dass das eigene Verhältnis zu den Eltern maßgeblich dazu beiträgt, ob man später an Ängsten oder Depressionen leidet. Je enger die Bindung, desto geringer die Gefahr für eine solche Krankheit. (Was natürlich nicht bedeutet, dass man auf keinen Fall Depressionen bekommt, wenn man den Eltern sehr nahe steht oder andersherum. Perry spricht nur von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit.)

The Book You Wish Your Parents Had Read (and Your Children Will be Glad That You Did) – eine Empfehlung von Herzen

Das Buch ist momentan nur in englischer Sprache erhältlich, wird aber auch auf Deutsch erscheinen (Erscheinungsdatum steht noch nicht fest). Ein paar elementare Aussagen kann man auch in dem tollen Podcast-Interview von Emma Gannon mit der Autorin anhören. Es ist übrigens nicht nur ein Buch für Eltern, sondern auch alle anderen, die selbst mal Kinder waren.

Bild: Unsplash

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