Momdays
Momlife

Mama, Mama, Mama: Der Mist mit dem „unfairen“ Kind

Erst hatte ich ein Mamakind zu Hause. Dann waren es zwei. Mal klammern sie weniger, mal gar nicht, mal mehr. Im Moment sind der fast Vierjährige und der Anderthalbjährige mal wieder meine größten Fans. Was sage ich. Groupies. Sie schreien wenn sie mich sehen, rasten geradezu aus. Sie wollen zwar kein Autogramm, aber mich auf jeden Fall berühren. Ich bin ihre Beyoncé. Was ein irre tolles Gefühl ist. Meistens. 

Nun gehört zur Familie ja noch jemand. Ein Teil, der ebenso wichtig ist wie ich und jedes der Kinder. Der Papa. Ihr größter Held, aber wenn es drauf ankommt (nachts!) ist er momentan bei ihnen so begehrt wie Hansi Hinterseer in meiner Playlist. Was für eine Gemeinheit. Unfair. 

Außerdem beeinträchtigt es das Familienleben. Ich fühle mich überlastet und der Mann ist wegen dieser Zurückweisung verständlicherweise gekränkt. Wenn in dem charmanten Zeitfenster von 24h bis 4h immer wieder aus zwei Ecken der Wohnung nach Mama geschrien und Papa abgelehnt wird, sorgt das bei allen Beteiligten für harmlos ausgedrückt ultra-beschissene Laune. 

Mamakind: Warum ist das so?

Wir versuchen das 50/50 Modell zu leben und das hat auch oft ganz gut geklappt. Momentan bin ich allerdings doch etwas mehr mit den Kindern zusammen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Kleinkinder sind da knallhart. Das ist sicherlich der Hauptgrund dafür, dass sich die beiden Jungs derzeit öfter für Mama entscheiden, wenn beide Elternteile zur Verfügung stehen. Und das obwohl er gleichberechtigter Versorger der Familie ist. Menno.

Außerdem gibt es da natürlich Schwangerschaft, Geburt, Stillen. Am Anfang ist das Baby so intensiv mit der Mutter verbunden, dass es sich als Teil von ihr fühlt und gar nicht als eigenständige Person. Das bleibt noch eine Weile haften, auch wenn sich die meisten Kinder mit spätestens zwei Jahren als Individuum erkannt haben. 

Viele Kinder in dem Alter sehen die Mutter aber dennoch weiter als stärkere Bezugsperson. Allerdings kommt es hier auch auf die Situation an. In einer erziehungswissenschaftlichen Studie wurde festgestellt, dass mehr als drei Viertel einer Gruppe von Kleinkindern lieber mit dem Vater spielen. Ihn in diesem Moment also bevorzugen. Als die Kinder in dem Versuch allerdings getröstet werden wollten, verlangten sie nach Mama. Alles graue Theorie? Klar, aber irgendwie sind es doch alles ein paar kleine Teile in dem Gefühls-Puzzle, was uns die Kleinen jeden Tag aufs Neue voller Liebe vor die Füße knallen.

Das Modell von John Bowlby ist auch so eine Theorie, die ich ganz plausibel finde. Die hat Katja vom Blog Das gewünschteste Wunschkind schon einmal wunderbar für uns aufgedröselt: 

Der Bindungsforscher John Bowlby hat herausgefunden, dass es eine sogenannte Bindungshierarchie gibt, die im Prinzip wie eine Pyramide aufgebaut ist. An oberster Spitze steht die Bindungsperson Nummer 1 – normalerweise die Mutter (es kann aber auch jede andere Bezugsperson sein). Darunter kommt Bindungsperson Nummer 2 (häufig der Vater oder eins der Geschwister), darunter kommen 3, 4, 5 usw… Diese Nummer 2 wird von dem Baby oder Kleinkind ebenfalls sehr geliebt, aber – und hier kommt der springende Punkt – eben nicht so abgöttisch, wie Nummer 1.

Das bedeutet, dass das Kind in Situationen, die für es stressig sind oder ihm Schmerzen verursachen, immer die Nummer 1 bevorzugen wird, denn bei ihr reagiert sein Körper am schnellsten mit der Ausschüttung des Glückshormons Oxytocin und die Beruhigung setzt sofort ein. Bei allen anderen Bindungspersonen dauert das Trösten weit aus länger. […]

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus verständlich, warum ein Kind vehement nach der Bindungsperson Nummer 1 schreit, wenn es in Not ist (und Not bedeutet aus Kindersicht auch, ins Bett gebracht zu werden): Haben wir Erwachsene Kopfschmerzen, greifen wir ja auch lieber zu dem Schmerzmittel, das sofort wirkt und nicht erst in einer halben Stunde, wenn wir die Wahl haben. Ist aber nur das Schmerzmittel da, welches in einer halben Stunde wirkt, dann sind wir dankbar, dieses nehmen zu können. Genauso ist es mit Nummer 1 und Nummer 2. Ist Bindungsperson Nummer 1 da, wird sie immer bevorzugt. Ist jedoch nur Nummer 2 da, weil Nummer 1 beispielsweise arbeitet, dann klappt das Trösten und ins Bett bringen auch. Es mag ein bisschen länger dauern und nicht ganz so reibungslos verlaufen, aber es funktioniert.

Und was machen wir jetzt damit?

Augen zu und durch. Denn: ES IST ALLES NUR EINE FUCKING PHASE. Irgendwann lasse ich mir das noch einmal tätowieren. Flucht nach vorne ist bei uns oft das einzige was in Stressphasen hilft. Bald sind sie vielleicht mal wieder Papakinder, dann irgendwann Schulkinder, dann kommt Pubertät, Volljährigkeit, Auszug. Zack. Bei dem Gedanken will ich mir meine Meute einfach nur schnappen und sie mit Liebe überschütten bis sie platzen. 

Nachdem unsere vergangene Nacht wie oben beschrieben verlief, folgte übrigens zu meiner völligen Fassungslosigkeit ein vor Harmonie strotzender Morgen. Nachdem dann doch alle ein wenig geschlafen hatten (beide Kinder in meinen Armen, Papa im Hochbett) war irgendwie auf einmal alles wieder okay. Kinder frühstückten brav, zogen sich an und wir kamen überpünktlich und ohne ein einziges mürrisches Wort in der Kita an. Hier verabschieden sich beide Jungs übrigens fast immer völlig problemlos – egal ob ich oder der Mann sie bringt. Das soll einer verstehen…

Wie ist es bei euch? Hattet ihr auch schon Mama- Papa-Phasen? Wie seid ihr damit umgegangen? Habt ihr einen guten Tipp für die nächste Nacht?

Mehr Mehr Mehr...

Noch keine Kommentare

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.