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„In meinem Bett ist eine Ente“ oder warum ich Angst vor den Abendstunden habe

Bis vor gut zwei Wochen habe ich mich eigentlich immer auf den Abend gefreut, meinen Mama-Feierabend. Wenn die Zähne geputzt, das Kind im Bett und ich nur für mich war. Das ist jetzt vorbei. Mir graut es mittlerweile vor allem, was hier nach dem Bettfertigmachen noch passiert.

Es hat sich eingeschlichen, dass meine Tochter, die Ende Oktober ihren dritten Geburtstag feiert, nicht einschlafen kann. Sie geht zwar mittlerweile erst gegen acht Uhr ins Bett, aber die Augen fallen da noch lange nicht zu.

Was war ich früher verwöhnt… Ich wusste es gar nicht richtig zu schätzen, ich Närrin. Ins Bett gehen lief einfach immer so easy, dass die aktuelle Phase meinen Nerven echt alles abverlangt – der blühenden Phantasie meines Kindes sei Dank.

Mein kleines Evil Genius

Wäre es nicht Abend für Abend so schlauchend, würde ich dieses schlaue, kleine Mädchen ja fast bewundern für all ihren Einfallsreichtum. Abgesehen von der Flucht aus dem Bett und dem verschmitzten Erscheinen im Flur, hat sie sich in den vergangenen vierzehn Tagen unter anderem Folgendes einfallen lassen:

  • Sie dreht ihre Trinkflasche auf und kippt das Wasser über ihr Kopfkissen. Auf einem nassen Kissen kann man ja schließlich wohl kaum schlafen!
  • Sie holt Dinge in ihr Bett, die da eigentlich nicht hingehören, um mich dann mit Sätzen wie „In meinem Bett ist eine Ente!“ in ihr Zimmer zu rufen.
  • Sie macht das große Licht an und fängt an Xylophon zu spielen.
  • Wenn sie doch noch mal muss (nachts mache ich ihr noch eine Windel um), kann sie plötzlich keine Sekunde lang die volle Windel anbehalten. Sie ruft mich aber leider immer erst, wenn sie sich der Windel selbst entledigt hat. Ich will’s mal so sagen: mit viel Glück verteilt sich der Inhalt nicht auf der Bettwäsche oder dem Fußboden…
  • Sie hat rausgefunden, dass in der Lichterkette an ihrem Bett kleine Gummiknubbel sind, die die Pilze an den Lämpchen halten. Neulich habe ich sie nach verdächtigem Klimpern erwischt, wie sie diese Gummidinger grinsend als Kaugummis zweckentfremdet hat. An ihrem Bett hängt jetzt keine Lichterkette mehr.

Das waren nur mal meine größeren Highlights neben der kratzenden Bettdecke, komischen Geräuschen in ihrem Zimmer oder dem falschem Tonie.

So will ich gar nicht sein

Ich verstehe natürlich, dass man weder Kind noch Erwachsenem das Einschlafen aufzwingen kann. Trotzdem möchte ich iiiiirgendwie eine halbwegs feste Bettzeit einhalten. Die liegt nun bei acht Uhr, was ich für eine bald Dreijährige jetzt nicht zu früh finde.

Was mich mittlerweile reizt, ist der Widerstand. Das Gar-nicht-erst-versuchen. Hinlegen? Augen zu? Pah! Wenn ich mir Mühe gebe, vorlese, kuschle und auch noch mal nach dem ersten Überraschungsbesuch ein bisschen Extrazeit bei mir erlaube, dann erwarte ich schon miiiiinimales Entgegenkommen. Stattdessen wird mir dann noch lachend der Finger in die Nase gesteckt, wenn ich mich neben das Kind ins 1,40-Bett quetsche.

Und dann wird eine Mama aus mir, die ich so gar nicht sein will. Dann bin ich genervt und motzig und spreche ein ätzendes Machtwort. Denn vereiern lassen möchte ich mich auch nicht. Deswegen gibt es jetzt erstmal weder Conni noch Peppa, bis es Abends wieder rund(er) läuft. Findet ihr blöd? Ich auch, aber ehrlicherweise scheint das an Tag zwei und drei schon etwas Wirkung zu zeigen und mehr Bücher zu lesen ist jetzt auch nicht die schlechteste „Strafe“.

Wo ist das Problem?

Erst heute habe ich wieder gelesen, dass die geistige Gesundheit der Mutter genauso wichtig ist, wie die physische Gesundheit des Kindes und ich habe es mental fett unterschrieben. Ich brauche einfach die ein bis drei Stunden nach einem Nachmittag mit dem Raketenkind für mich. Ich möchte dann nicht alle fünf Minuten aufstehen, ich möchte abschalten.

Außerdem bin ich persönlich schon recht überzeugt davon, dass eine (halbwegs) feste Schlafenszeit für Kleinkinder wichtig ist, zumal ich weiß, dass Leni morgens, wenn wir los müssen zur Kita einfach komplett unausgeschlafen wäre, wenn ich sie sich bis 23 Uhr müde spielen lassen würde. Das funktioniert vielleicht für entspanntere Eltern, mein Weg ist es nicht.

Und deswegen probiere ich hier noch etwas rum, reflektiere abends im Bett meine (oft etwas überforderten) Reaktionen (Lowlight: „Noch einmal und ich mache die Tür zu!“) und hoffe, dass mein Kind und ich zusammen wieder zurück zu Abenden finden, an denen keine Enten mehr im Bett sitzen.

Bild: Unsplash/ Annie Spratt

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1 Kommentar

  • Antworten
    Julia
    19. August 2019 at 9:41

    Bei uns ist es gerade ähnlich. Unser Großer wird Ende September 3 und bisher war das Zu-Bett-Gehen kein Thema. Seit kurzem hören wir ständig „Ich will nicht“. Wir haben jetzt den Mittagschlaf gestrichen, er packt das auch gut über den Tag und so ist er immerhin müde wenn es gegen 7 / halb 8 ins Bett geht.
    Ansonsten habe ich auch keine richtige Lösung, aber ich kann es absolut nachvollziehen, dass du deinen Mama-Feierabend möchtest. So geht es mir auch.
    LG Julia

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