Momdays
Style

Eine Playlist & die Suche nach Liebe

Es ist schon erstaunlich, was Musik mit einem macht, was wir mit ihr verbinden. Als ich neulich eher zufällig iTunes geöffnet habe – ich höre eigentlich seit Jahren nur noch über Spotify Musik – wusste ich noch nicht, dass ich mich auf eine richtige kleine Zeitreise begeben würde.

Die meisten Lieder landeten während meiner Studienzeit in meinem völlig chaotischen iTunes-Kosmos zwischen alten Lieblings-Bibi-Folgen und Drei ???-Fällen. Einige Songs brachten mich und meine Freundinnen regelmäßig bei Vorglühabenden zum Tanzen, andere hörte ich allein im Dunkeln auf dem Fußboden und suhlte mich dabei in Melancholie.

Als ich heute in der Badewanne darüber nachgedacht habe, was ich zu dieser Playlist schreiben soll – das mache ich schließlich immer so – habe ich an das Mädchen vor einigen Jahren in seinem grün gestrichenen WG-Zimmer mit den weißen Ikea-Möbeln gedacht. Was ich alles falsch gemacht habe, wie anders ich heute bin und auch wieder gar nicht so sehr.

Schon vor dem Wiederentdecken der Playlist habe ich mich oft darüber geärgert, dass ich mich vor lauter fehlender Lebenserfahrung und Unsicherheit für einen Typen erniedrigt habe, der mich gar nicht verdient hatte. Immer auf der Suche nach Liebe und gehetzt von der Angst vor dem Alleinsein, habe ich mich aber auch selbst wie ein Arschloch verhalten. Bin Beziehungen zu Männern eingegangen, von denen ich wusste, dass sie gut für mich sind, so theoretisch, aber dass daraus ganz sicher keine Liebe entstehen würde.

Wahrscheinlich sind das alles Erfahrungen, die jedes Mädchen in dem Alter so oder so ähnlich macht: sich in den Falschen verlieben, jemandem hinterher trauern, der es nicht verdient hat (während man traurige Musik im Dunkeln hört zum Beispiel) oder den Kloß im Hals spüren, wenn man erkennt, dass man jemandem wehtun wird. Und vor allem sich zu fragen, ob das jetzt Liebe ist.

Das alles war keine Liebe: weder die Besessenheit von dem hippen Typen, der nebenbei wahrscheinlich noch drei andere Mädchen hatte, noch das Vorgaukeln von Verliebtheit während eines romantischen Gitarrenkonzerts zum Geburtstag. Wenn man sich fragt, ob es Liebe ist, dann ist es keine.

Das habe ich gemerkt, als ich meinen Mann kennengelernt habe. Und seit die Unsicherheiten ob der Zuneigung des Anderen sich verflüchtigt haben und der besten Gewissheit der Welt gewichen sind, sind auch die melancholischen Lieder in meinen Playlisten viel weniger geworden.

Ich präsentiere euch also einen wilden Mix. So wild wie das Leben als Anfang Zwanzigjährige, die dreimal die Woche tanzen gegangen ist und ständig gebacken und gekocht hat, um sich nicht mit den Verpflichtungen einer Studentin auseinandersetzen zu müssen. Die am Hafen in der Sonne gelegen hat, statt Spanisch zu lernen. Die in einem Winter von zu viel Ofenkäse aufgegangen ist wie ein Hefekloß. Die vielleicht nach zu viel Bowle mal nach Hause getragen werden musste und die 2010 schon die gleiche hoffnungslose Romantikerin war wie heute.

Ich bin noch nicht komplett durch. Ein paar Lieder kommen noch. Sie sind wirklich gar nicht sortiert. Dafür hatte ich leider keine Zeit. Pickt euch einfach raus, was euch gefällt.

Bild: Unsplash/Kinga Cichewicz

Mehr Mehr Mehr...

Noch keine Kommentare

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.