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Hallo, Baby Nummer 2! Hallo Eifersucht und Chaos?

„Was fandest du krasser: den Sprung von 0 auf 1 Kind oder von 1 auf 2 Kinder?“ Diese Frage habe ich schon oft bei anderen gelesen und mittlerweile auch selbst gestellt bekommen. Während ich mich zu erinnern meine, dass der Großteil der Mütter stets zu von 1 auf 2 tendierte, sehe ich die Sache irgendwie anders.

In der Schwangerschaft habe ich mir auch noch Gedanken (keine Sorgen) gemacht, wie wir das mit einem Säugling zur aufmerksamkeitsintensiven Vierjährigen wohl wuppen werden. Jetzt, sieben Wochen nach der Geburt unserer zweiten Tochter, kann ich sagen: Ich lebe noch. Die Welt ist nicht im Chaos versunken – zumindest unsere kleine, private – und es lebt sich tatsächlich sehr schön mit diesen zwei kleinen Zuckerpuppen. Es fühlt sich nicht neu oder ungewohnt an, sondern so als hätte es uns schon immer im Viererpack gegeben.

All Hail The Altersunterschied

Das liegt meiner Meinung nach vor allem an einem Faktor: dem Altersunterschied von etwas über vier Jahren. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass ich die Frage als Mutter von 2 under 2 ganz anders beantworten würde. (Respekt, Leute!) Wir haben uns allerdings bewusst dazu entschieden, erst noch ein paar Jährchen Exklusivzeit mit unserem ersten Kind zu genießen. Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn jetzt erweist es sich wirklich als praktisch, dass Kind Nummer 1 keine Windeln mehr braucht, sich alleine an- und auszieht, eine Stunde lang im eigenen Zimmer den „Kindern aus Bullerbü“ lauscht und sogar mal den Kinderwagen vorm Paketshop im Adlerauge behält.

Auch wenn unsere große Tochter aktuell so etwas wie eine Mini-Pubertät zu durchlaufen scheint, ist sie fast immer verständnisvoll, wenn es um ihre kleine Schwester geht. Sie ist auch jederzeit am Start, wenn ich Hilfe brauche. Sie bringt eifrig Stilltücher zum Ort des Geschehens, sammelt Schnuller in der Wohnung ein, wippt und bespaßt ihre kleine Schwester. Morgens gibt es nichts Besseres als zusammen im Bett zu kuscheln, das Baby an den Wangen zu kitzeln und sich über dessen Lachen zu freuen.

Seit Tag 1 lasse ich sie machen. Sie darf gucken, küssen, streicheln, halten, aufpassen, dabei sein. Nur ganz selten kam bis jetzt ein „Bin ich jetzt nicht mehr eure Süße?“ oder „Immer hast du nur Zeit für Juli.“. Dass ich abends aktuell oft nichts vorlesen kann, weil das Baby es uncool findet, dabei auf meinem Arm zu sein oder im Bett zu liegen, nimmt sie richtig stark ohne Gefühlsausbrüche hin. (Du emphatischer Goldschatz!) Sowieso ist das größte Konfliktthema hier, dass es nur einmal in der Woche „Paw Patrol“ zu sehen gibt. Wenn es stattdessen um ihre kleine Schwester geht, sprudelt das Girl über vor Stolz und Liebe. Einziges Manko am Baby ist Leni zufolge wahrscheinlich die Lautstärke, aber auch damit hat die Große einen Weg gefunden umzugehen: Rückzug ins eigene Zimmer.

How we roll – unser Tagesablauf

Emotional läuft’s also spitzenmäßig, obwohl die kleine Schwester nicht mal ein Geschenk dabei hatte, als sie die Wohnung infiltriert hat, aber wie sieht’s mit der Organisation des Alltags aus, fragt sich vielleicht die ein oder andere Leserin. Noch easy. Ich gehe aber fest davon aus, dass die Challenge zunimmt, je älter Juli wird. Jetzt läuft sie tatsächlich mit, wird mal eben in die Trage geschnallt und los geht’s. Wir haben keine fixe Routine. Jeder Tag läuft etwas anders. Oft bringt Lenis Papa sie morgens gegen acht zur Kita, ich assistiere dann noch ein wenig beim Anziehen und treibe das trödelnde Kind an. Je nachdem wie anhänglich oder Bauchweh geplagt das Baby ist, verläuft dann unser Vormittag. Gestillt wird normgemäß alle zwei bis vier Stunden, wobei ich gar nicht mehr auf die Uhr schaue.

Noch schläft Juli super viel, so dass ich mich nachmittags prima der großen Schwester widmen kann, wenn wir sie zusammen aus dem Kindergarten abholen, wo wir noch immer ein großes Highlight sind und die Erzieher davon ausgehen, dass Juli nie wach ist, geschweige denn weint.

Abends gibt es irgendwann zwischen sechs und halb acht Essen. Ihr merkt, die Spanne ist groß, aber es entspannt einfach ungemein, sich auf nichts zu sehr zu versteifen. Im Bad mache ich meistens erst Leni bettfertig, wobei ich da auch nur noch hier und da eine Anweisung in den Raum werfe, und bringe sie dann in ihr Zimmer. Wie oben bereits erwähnt, fällt das leider aktuell etwas kürzer aus. Dann widme ich mich in Ruhe noch mal dem Baby: Bauchmassage mit Kümmelcreme, frische Windel, Pyjama an. Für die Kleine geht es aber nicht direkt mit einem romantischen Ritual ins eigene Bettchen. Sie ist bei oder an mir bis sie einschläft. Meistens ist das auf mir, während ich mir Hochzeits-Reality-Tv auf Netflix reinziehe. Ich stresse mich nicht mehr damit, sie auf Teufel komm raus in ihr eigenes Bett zu legen – Hauptsache es wird geschlafen. Egal wo. (Findet Leni übrigens nicht, die 90% aller Nächte auch mit dem Rudel kuscheln will.)

Regeln sind da, um gebrochen zu werden

Und das ist auch schon mein Allheilmittel gegen wie Drahtseile gespannte Nerven: Einfach drauf pfeifen. Auf Regeln und feste Abläufe. Wenn es dich stresst, dann lass es sein. Denn am Ende muss man sich ja fragen, wofür dienen diese Regeln? Eigentlich doch, um das Leben irgendwie zusammen auf die Reihe zu bekommen oder? Wenn man aber daran verzweifelt, dass Kind 1 einfach keinen Bock auf XY hat oder stundenlang das weinende Baby durch die Wohnung trägt und immer wieder verzweifelte Ablegeversuche startet, dann bewirkt das doch das komplette Gegenteil: Es macht alles nur noch schwerer.

Also lasse ich meine Regeln fließend sein. Sie bilden einen Rahmen, an dem ich mich orientieren kann, aber sie dürfen nicht wichtiger werden als ein intaktes Nervenkostüm. Ich werde schließlich von zwei Kindern gebraucht und das gerne ohne kurz vorm Tränenausbruch zu stehen oder jemanden aus Versehen anzuschreien, WEIL DAS SO VERDAMMT NOCH MAL EIGENTLICH NICHT LAUFEN SOLLTE!

Gelassenheit durch Erfahrung

So entspannt und schlau daherreden kann ich auch nur, weil ich das alles schon mal gemacht habe. Wo wir wieder bei der Ausgangsfrage wären. Bei Kind 1 war ich so überfordert und hilflos. Ausnahmslos alles war neu. Ratgeber habe ich bewusst abgelehnt, weil ich auf meinen Instinkt hören wollte. Und nach einigen Jahren kann ich sagen: Ich habe mich durch diese erste Zeit gekämpft und weiß jetzt genau, wie Mamasein für mich und meine Kinder funktioniert. Ich weiß, was mir im Umgang mit ihnen wirklich wichtig ist und auch welche Regeln wir hier haben, um sie zu brechen. Und so lebt es sich gerade mit den dazugehörenden Mülltonnentagen meistens sehr schön. Tiefenschlaf ist für mich eh seit viereinhalb Jahren ein Fremdwort, deswegen schockt mich auch der damals so übermannende Schlafmangel nicht mehr. Alle fühlen sich sehr geliebt, jeder ist wichtig (sogar ich!) – nicht nur das süße neue Baby.

In einem halben Jahr werde ich beim erneuten Lesen dieser Zeilen vielleicht leicht verzweifelt über meine Naivität weinen, aber heute fühlen sich die ersten Meter des neuen Weges so an, als würde ich mit meiner Lieblingsmusik im Ohr tanzend an der Ampel stehen und auf Grün warten.

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4 Kommentare

  • Antworten
    Maike
    14. April 2021 at 13:51

    Hey. Vieles kann ich unterschreiben…anstrengend fand ich es erst als die Phase kam, dass das nicht mehr ganz so kleine Baby mobil wurde und Interesse an allem Spielzeug der Großen bekommen hat.
    Kleine Frage, ihr wohnt doch auch in Berlin, die Kitas sind doch aktuell zu? Wie regelt ihr da euren Tagesablauf? Das fänd ich mal interessant (und sicherlich viele andere Mamas auch 🙂 ).
    Liebe Grüße!

    • Antworten
      Sophie
      14. April 2021 at 16:48

      Hey Maike,

      danke für deine Worte. Ich habe ja auch geschrieben, dass ich schon eine dunkle Vorahnung habe, dass es anstrengender werden wird. Aber immerhin hatten wir einen smoothen Start. Tatsächlich kann Leni aktuell noch in die Kita gehen. Etwas längere Geschichte, aber es geht derzeit. Wenn sich das wieder ändern sollte, dann nehme ich euch gern mal mit durch den Alltag.

  • Antworten
    Julia
    14. April 2021 at 14:59

    Ich wünsche euch das es sich auch in einem halben Jahr und darüber hinaus noch immer so anfühlt als würdest du mit deiner Lieblingsmusik im Ohr tanzend an der Ampel stehen und auf Grün warten🥳

    Das war wirklich sehr schön zu lesen! ☺️
    Mag deine Art zu schreiben richtig gern und freue mich auf weitere Beiträge.

    Liebe Grüße ☺️

    • Antworten
      Sophie
      14. April 2021 at 16:48

      Awwww. Danke, Julia! Das freut mich sehr.

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